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Rassismus, Luxemburg und rote Autos

16. Dezember 2019, 18:18pm

Veröffentlicht von Shade

Das Thema Rassismus gehört zu jenen Tabus, die auch in unserem Land in keinster Weise geklärt werden. Wie schon beim Thema der Intelligenz, bei welcher einfach das was wirklich dumm ist, nicht mehr erwähnt werden darf, darf auch hier nichts mehr darauf hinweisen, dass es Dinge gibt, die nun einmal so sind, wie sie sind.

 

Doch wie sind sie eigentlich?

 

Dazu möchte ich etwas anders ansetzen. In vielen Ländern gibt es Menschen aus anderen Kulturen, die einwandern und die sich erst einmal 'eingewöhnen' und demnach integrieren müssen. In einigen Ländern gibt es dazu die klare Voraussetzung, dass man die Sprache des Landes lernt, gemäss dem Motto: Des Brot ich ess, des Lied ich sing. Dennoch sind sich viele bewusst, dass sich Menschen verschiedener Kulturen einfach erst einmal annähern müssen und eine Integration, die langfristig funktionieren soll, eben auch Zeit und Arbeit von beiden Seiten benötigt. Dies hat übrigens nichts mit Rassen und Einwanderungen zu tun, sondern mit einem Gruppenverhalten, das seit der Zeit der Urmenschen in uns verankert ist.

 

In einem Land wie Luxemburg sollte man in meinen Augen das Thema alleine deswegen etwas anders betrachten, weil es sich hier um ein wesentlich kleineres Land handelt als es normalerweise der Fall ist. Inwiefern dies etwas mit dem zu tun hat, was man unter Rassismus versteht, werde ich etwas später erklären.

 

An dieser Stelle möchte ich klarstellen, dass es mir hier nicht darum geht, die gesamte Problematik der Einwanderer in unserem Land bis hin zu einer Politik die das Land mit Menschen überschwemmen will auseinanderzudröseln. Es geht mir hier einzig und alleine um das Phänomen, das von Menschen als Rassismus betitelt wird.

 

Somit stellt sich erst einmal die Frage: Was ist eigentlich Rassismus?

 

Dazu will ich Wikipedia zitieren:

 

"Rassismus ist eine Gesinnung oder Ideologie, nach der Menschen aufgrund weniger äußerlicher Merkmale – die eine bestimmte Abstammung vermuten lassen – als „Rasse“ kategorisiert und beurteilt werden. Die zur Abgrenzung herangezogenen Merkmale wie Hautfarbe, Körpergröße oder Sprache – umstrittenerweise teilweise auch kulturelle Merkmale wie Kleidung oder Bräuche – werden als grundsätzlicher und bestimmender Faktor menschlicher Fähigkeiten und Eigenschaften gedeutet und nach Wertigkeit eingeteilt."

 

Dabei möchte ich auf einen sehr interessanten Aspekt hinweisen:

In diesem Text steht in keinster Weise, dass Rassismus nur eine Gesinnung ist, zum Beispiel Menschen gemäss einer speziellen Hautfarbe zu beurteilen. Es wird klar und deutlich erklärt, dass die Abgrenzung allgemeiner ist. Es ist nicht diese oder jene Sprache, diese oder jene Hauttönung, die als Urteil für Rassismus gilt, sondern jeder Aspekt von jeder Tönung (sei es visuell oder auditiv usw.) kann als Grund genutzt werden, abgegrenzt zu werden.

 

Es spielt also keine Rolle, ob ich als Luxemburgerin jemanden einer ausländischen Kultur oder Sprache oder wegen einer stärkeren Pigmentierung ausgrenze oder ob jemand mit einer ausländischen Kultur mich wegen meiner Nationalität oder minderen Pigmentierung ausgrenzt: Ich habe demnach Neuigkeiten für euch. Beides ist Rassismus! Es ist keine Einbahnstrasse, die nur in eine Richtung funktioniert.

 

Dabei dürfte ich es mir demnach auch erlauben, mich angegriffen zu fühlen, wenn ich als Weisse betitelt werde. Denn genauso wenig wie ein "Schwarzer" schwarz ist, bin ich auch kein frisch gewaschenes Leichentuch, mit dem meine Hautfarbe betitelt wird. Warum also wird das eine als rassistische Beleidigung aufgefasst und das andere nicht?

 

Nun werden viele auf unsere Geschichte hinweisen, ebenso wie auch heutige Auswüchse, bei denen verschiedene sich als "Supreme White" hinstellen, also sozusagen als "höchste weisse Rasse". Doch gerade deswegen nun jedem, der eine hellere Hautfarbe hat, zu unterstellen, diesen Unfug mitzumachen ist doch... nun ja... rassistisch!

 

Wer sich darüber hinaus mit diversen Gruppierungen jedes Haut-, Rasse- und was-weiss-ich-nicht-noch-alles-Typus befasst wird immer extreme Radikale finden, nicht weil sich das auf die hellere Hautfarbe beschränkt, sondern weil das das ist, wie Mensch seit Ur-Zeiten funktioniert.

 

Und genau das ist es, wie ich es sehe. Mir ist es egal, welcher "Rasse" jemand angehört, es ist mir egal, welche Nationalität er hat, oder ob er blaue Punkte im Gesicht hat. Solange man sich respektvoll in Augenhöhe begegnen kann, spielt all dies keine Rolle.

 

Wenn jemand mir jedoch schon mit Vorbehalt begegnet, weil ich hellhäutig bin und Luxemburgerin und dieser jemand daran festmacht, dass ich Ausländer nicht mag, dann liegt klar auf der Hand, wessen Problem vom Rassismus geschürt wird.

 

Somit darf man mit einer gewissen gesunden Überlegung zum Schluss kommen, dass die Mentalität, die also das Unbehagen auf der einen wie auf der anderen Seite aufrecht erhält, nicht dadurch gelöst werden kann, dass wir unsere ach so grossartige menschliche Evolution dafür nutzen, weiterhin an einem Rottenverhalten festzuhalten, das aus urmenschlichem Überlebensverhalten entstanden ist und heute in dem Sinn keinen Nutzen mehr hat. Dabei betrifft das beide Seiten, alleine deswegen um zu zeigen, dass wir klüger sind als die Idioten, die an diesen Dingen den Wert der Menschen festmachen.

 

Aber bedeutet das nun, dass ich als Luxemburgerin nicht rassistisch bin, wenn ich mich über einen Ausländer aufrege?

 

Dazu möchte ich ein anderes Beispiel zur Hand nehmen. In den 90er Jahren gab es eine Statistik, dass die meisten Autounfälle mit roten Autos passierten. Dass es in der Zeit jedoch die Farbe war, die am meisten gekauft wurde, wurde mit keiner Silbe erwähnt. Wie bescheuert eine solche Statistik ist merkt man, wenn man erkennt, dass der Grossteil der heutigen Autos grau, weiss oder schwarz sind und die Anzahl der Unfälle immer noch am Steigen ist. Fakt ist, die Farbe spielt keine Rolle was die Unfälle betrifft, einzig und alleine deswegen, weil es öfter ein solches Auto treffen kann von denen es mehr gibt.

 

Wenn ich also... und das was ich jetzt erzähle, ist wirklich passiert... am Wochenende vor 6 Uhr aus dem Bett geklingelt ist, weil jemand ein Problem mit einem parkenden Wagen hat, an dem er nicht vorbeikommt, dann erlaube ich es mir, diesen Menschen für einen Idioten zu halten, dem es scheissegal ist, dass er mit grosser Wahrscheinlichkeit an der falschen Tür klingelt, weil viele Autos hier stehen und es nicht meins ist, bloss weil es in der Nähe meiner Wohnung steht.

 

Dass es sich dabei um einen Ausländer handelte, ändert nichts an meiner Meinung. Ich hätte ihn auch als Idioten betitelt, wenn es ein Luxemburger gewesen wäre.

 

Dass es sich beim parkenden Auto, der im Halteverbot stand und darüber hinaus noch den Verkehr behinderte auch um ein Auto handelte, der einem Ausländer gehörte, habe ich auch nicht ausgewählt.

 

Ich mache in beiden Fällen das rücksichtlose Verhalten nicht daran fest, dass es Ausländer sind, sondern daran, dass es Idioten sind! Denn, wenn wir uns recht an den erklärenden Text von Wikipedia erinnern, wissen wir, dass Rassismus an äusserlichen Merkmalen festgemacht wird, nicht aber an einem Scheisscharakter.

 

Die Chance jedoch, dass ich die Möglichkeit bekomme, einen Luxemburger als Idioten zu betiteln ist gering. Das liegt nicht daran, dass es weniger Luxemburger Idioten gibt, denn ich denke, dass das prozentual sehr ausgeglichen ist. Es liegt daran, dass es weniger Luxemburger gibt.

 

Das wird jedes Kind erklären können: Wenn man eine Tüte mit 100 roten Murmeln und 10 blauen Murmeln hat, dann sind nun mal die Chancen, dass man eine rote erwischt, einfach grösser.

 

Interessant ist dabei der Fakt, dass es mir als Luxemburger demnach erlaubt wäre, jemanden zu beschimpfen, solange er meiner Nationalität, meinem Hauttyp oder was weiss ich nicht was noch alles angehört. Wenn jedoch, der nicht in diese Kategorie fällt, sich genau so daneben benimmt, dann ist es plötzlich Rassismus?

 

Hier also noch einmal im Klartext:

So wie ein einstiger Freund, der im Rollstuhl sitzt zu mir sagte "auch im Rollstuhl gibt es Arschlöcher", sehe ich es auch.

Wenn ich was gegen jemanden habe, dann liegt es an seinem Benehmen, nicht an seiner Hautfarbe, seiner Nationalität oder seiner Sprache.

 

Mein Charakter ist, wer ich bin.

Meine Haltung ist, wer du bist.

 

Persönlich möchte ich euch einfach zwei Videos anbieten, die euch vielleicht helfen, die Sache einfach mal etwas anders, und auch mit Humor betrachten zu können:

Sam Adams: Chocolate Indulgence

Stephen Fry: Race, Ancestry and invention of Chess

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