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Die Angst vor der Angst

30. Dezember 2015, 12:39pm

Veröffentlicht von Shade

 

Bei etlichen Menschen, die sich dazu entschieden haben, achtsamer mit sich umzugehen, positiver zu denken oder auf sonstige Weise ihre Lebensphilosophie zu pflegen, erlebe ich recht häufig eine sehr interessante Reaktion, wenn es um Angst geht.

 

 

 

"Angst ist ein schlechter Ratgeber" ist nun der letzte Satz, den ich lesen durfte, doch dem stand ein kleiner Text bevor, der mir eigentlich Lust gibt, auch mal über soziale Inkompetenz zu schreiben. Es ging darum, dass jemand, der Angst hat, etwas in seinem Leben zu ändern, einfach bloss zu feige sei.

 

 

 

Hier möchte ich kurz den Unterschied erklären: Angst ist ein Gefühl, Feigheit eine Bewertung und Beurteilung. Dass diese natürlich wie immer nur von oben herab von Menschen geführt werden, die die vom anderen erfahrene Angst gar nicht nachvollziehen können und denen somit jegliche empathische Intelligenz fehlt, spielt nun jedoch für meinen Text keine Rolle. Ich habe es jedoch für jene Leute erwähnt, die in ihrer Angst festsetzen und denen ein Wort wie "Feigling" nur weiterhin zeigt, sie seien unfähig, anstatt dass ihnen jemand Unterstützung anbietet, mit diesen ihren Ängsten klarzukommen.

 

 

 

Somit möchte ich zurück zum Satz, dass Angst ein schlechter Ratgeber sei, und beginne erst einmal dort, wo Angst begonnen hat: Beim Urmenschen!

 

Ich greife wieder zu Dr. Eckhart von Hirschhausen's Beispiel mit dem Säbelzahntiger und erinnere den werten Leser daran, dass Angst sehr wohl ein guter Ratgeber war, nicht aus der Höhle zu steigen um den Säbelzahntiger zu streicheln.

 

 

 

Nun mag der eine oder andere erklären, dass es keine Säbelzahntiger mehr gibt, doch dies bedeutet nicht, dass Angst nicht hin und wieder sehr not-wendig ist, um uns vor grösseren Dummheiten zu schützen, als die Menschheit eh schon produziert.

 

 

 

Wie immer geht es um das Problem der Dichotomie: Es gibt nicht einfach Angst und "keine Angst", sondern es gibt Nuancen, es gibt Abstufungen. Handelt es sich um Panikattacken, so ist dies natürlich ein ungesundes Maß an Angst. Was ich dabei wieder bemerke ist, dass man in einem solchen Fall kein Problem hat, sich professionnelle Hilfe zu holen. Doch der einfachen Angst, die mal ihre Stimme in uns erhebt, schenkt man kein Gehör.

 

 

 

Auch wenn es viele nicht hören oder lesen wollen, diese Angst ist sehr wohl die Stimme eines Anteiles in uns, und wenn wir diese als "schlechte Ratgeber" verurteilen, verurteilen wir einen Anteil unserer Selbst, wir ur-teilen, wir versuchen uns, davon zu trennen und verbannen ihn in den dunkelsten Winkel unserer Psyche ... jenen Teil, den C.G. Jung "Schatten" nannte.

 

 

 

Warum also halten die Seltensten inne und hören, was die Angst uns sagt?

 

Ist es so schlimm zuzuhören, sich seiner Angst bewusst zu werden? Was kann denn grossartig passieren?

 

 

 

Entweder hat sie recht und sie bewahrt uns vor einer Gefahr.

 

Oder sie hat unrecht, und wir können sie wirklich verarbeiten, weil wir uns die Zeit genommen haben, auf sie zu hören, ihren Grund und Ursprung kennenzulernen, um so zu lernen weshalb sie überhaupt existiert. Dann ist sie wirklich "geheilt" und wird nicht irgendwann umso lauter schreien.

 

 

 

Warum also die Angst verbannen, uns die Ohren zuhalten und LALALA singen, bis die Angst resigniert und erst einmal verstummt (erst einmal, denn sie wird sich zu sehr ungelegenen Momenten doch wieder zu Wort melden)?

 

Meiner Meinung nach ist die Antwort ganz einfach: Viele haben Angst vor der Angst!

 

 

 

Der Grund weswegen sie die Angst zu verdrängen versuchen ist ebendiese Angst. Läuft ein Hund seinem Schwanz nach, finden wir das witzig, doch das Bild passt gut auf diese Angst, die sich selbst jagt.

 

 

 

In unserer Gesellschaft ist Angst verpönt. Sich Ängste einzugestehen bedeutet, Schwäche zu zeigen, und so glauben viele, mutig zu sein, wenn sie dadurch in einer Art und Weise handeln, die gefährlich oder ganz einfach nur dumm ist, bloss weil sie glauben, die Angst auf diese Weise bekämpfen und besiegen zu können. Doch Angst kann man nicht bekämpfen, sie ist kein Feind, sondern etwas not-wendiges, etwas, das den Menschen jahrtausendelang überhaupt überleben liess. Ihr gebührt einen Platz in uns, ihr gebührt Zeit, die wir uns für sie nehmen, so dass wir sie kennenlernen und besser ein-schätzen können... bis wir sie dann schätzen gelernt haben, als wichtigen Anteil, der uns zeigt, wo wir vielleicht nicht bis zu Ende gedacht haben, wo wir vielleicht etwas übersehen haben.

 

 

 

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S
Ich habe auch oft gedacht wen man etwas macht [zB etwas gefärliches] wovon man angst hat das es so wäre als würde man sich dieser stellen & es wäre positif weil man ja etwas 'dagegen' tut, so als 'Heilung'. Aber ja in der Tat vieles tun wir nicht weil die Angst uns davor bewahrt.. nie darüber nach gedacht!
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