Es sind Menschen
Wie immer geht es mir in diesem Text nicht darum, eine "Seite" zu verteidigen, sondern ist es mir wichtig, einen anderen Blick auf ein Thema zu werfen, bzw. dazu einzuladen, die Dinge wirklich zu überdenken. Wer sich also angegriffen wähnt oder glaubt, ich würde irgend jemandem über's Köpfchen streichen, tut gut daran, sich seichtere Lektüre zur Hand zu nehmen. Denn das Thema hat es in sich!
Doch worum geht es? Nun, das Internet - oder genauer gesagt - Facebook hat mal wieder die mentalen Werwölfe des Vollmondes losgelassen und recht interessante Seiten jener Menschen gezeigt, die sich für gute Wesen halten...
In diesem Fall spreche ich von folgendem Satz einer FB-Seite, die normalerweise recht lustig daherkommt.
Hier der genaue Wortlaut:
Ich möchte Menschen,
Die Köder mit Gift, Nägeln oder
Rasierklingen auslegen, um
damit Hunde zu töten, das
ausgelegte Zeug essen lassen.
Das Zitat selbst sowie ein Grossteil der Kommentare deuten auf extremste Aggressionen hin. "Genauso" und "Ich wäre dabei" sind die harmlosen Reaktionen.
Interessant wurde es dann als jemand fragte, was denn nun der Witz sei und die Antwort lautete: Der Witz ist, dass jene, die so etwas tun, keine Menschen sind.
In jenen Augenblicken frage ich mich, was denn Mensch überhaupt ist.
Wer sich die Geschichte der Menschheit anschaut, wird feststellen, dass der Massenmord an der Tier und Pflanzenweltwelt, der Drang, sich die Erde untertan zu machen (mit einem kleinen Blick auf die Herkunft dieses Satzes!), sie gedankenlos zu zerstören, bloss weil man es kann, sich wie ein roter Faden durch eben diese Geschichte zieht. Und wie schon Mark Twains Buch "Der geheimnisvolle Fremde" es schon überdeutlich hervorhebt, ist genau diese Grausamkeit ein fester Bestandteil im Sein des Menschen.
Warum also glauben "Menschen", dass jemand kein "Mensch" ist, wenn er Tieren Grausamkeiten antut, obwohl dies schon immer zum Menschsein dazugehörte?
Was ist "er" dann? Ein Tier?
Wie wenig überdACHT der Gedanke an sich ist, zeigt in meinen Augen allerdings die Reaktion jener Leute, die sich dann im Internet darüber auslassen, wie sie solche Menschen (und ja, auch genetisch unterscheiden sie sich in keinster Weise von den Schreibern) bestrafen würden. Die Grausamkeit überbietet locker jene eben dieser Menschen, die Tieren dies antun. Inwiefern kann jemand es beim Denken verpassen, zu bemerken, dass der einzige Unterschied zwischen ihm und einem Tierquäler der ist, dass der Schreiber sich eine selbstgebastelte Gerechtigkeit als Erlaubnis erschafft, sich als "besser" oder "menschlicher" anzusehen, wobei "menschlich" natürlich nur "gut", "edel" und "zivilisiert" in deren Kopf bedeutet?
Mich erinnern diese Hetzer im Internet an eine surreale Version der Leute, die im Mittelalter gierig und mit Geifer im Mund öffentliche Hinrichtungen erwarteten und sich daran aufgeilten, oftmals auch ohne grosses Denkvermögen, sondern nur mit der Erfahrung, dass es sie nicht getroffen hat! Und auch diese Leute aus dem Mittelalter waren - man möge es nicht glauben - MENSCHEN!
Ich bin mir nicht mehr sicher ob es von Rochefoucault stammt, doch jemand sagte mal: Die meisten Menschen fürchten Ungerechtigkeit nur aus Angst sie zu erleiden, und nicht aus Angst, sie selbst zu erteilen.
Sich mit einer illusionären Gerechtigkeit über andere zu erheben, und diese andere dann scheinbar "unmenschlich" zu behandeln, das ist wohl die Ironie der Menschen, die sich als gut, edel und zivilisiert bewerten!