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Das Ego ist tot...

3. Februar 2017, 13:31pm

Veröffentlicht von Shade

... hoch lebe das Ego

 

 

Wer meinen Werdegang und meine Überlegungen kennt, weiss bestimmt inzwischen, dass ich dem Kampf gegen das Ego mehr als bloss kritisch gegenüber stehe. Allerdings habe ich mich gerade entschieden, mich mit Popcorn und Cola ... und mit Ego... in meine Kuschelecke zu setzen und mir den Film, der gerade bei etlichen Leuten abläuft, in aller Gemütsruhe anzuschauen. Mir scheint, der Titel heisst "Das Ego ist tot, hoch lebe das Ego" und ich habe inzwischen das Gefühl, als sei hier auch mehr als eine Fortsetzung geplant.

 

Man möge mir meinen schrägen Humor verzeihen, und wem das nicht gelingt, den bitte ich, ganz still und leise meinen mentalen Kinosaal zu verlassen und sich andersweitig zu begnügen. Für die anderen ist bestimmt Platz genug, sich mitsamt Ego niederzulassen und sich das Schauspiel mit mir gemeinsam anzuschauen.

 

Diejenigen, die meine bisherigen Gedanken noch nicht kennen, lade ich nun ein, meine erste Erklärung wie das Vorspann von Star Wars vorzustellen (bitte mit Musik)

 

 

Vor langer Zeit,

in einer sehr nahen Galaxie...

nämlich der unseren... und noch näher,

in unseren Breitengraden und Gefilden, in unserer Gesellschaft...

 

Etliche Leute,

die sich auf den esoterischen

oder gar spirituellen Weg begeben haben,

sind zum Schluss gekommen, dass es ein unumstössliches

Gesetz ist, das Imperium des Egos zu bekämpfen und zu vernichten.

 

Das Ego ist für einige die Angst,

die in ihnen spricht und darf nicht erhört werden.

Für andere ist es der Inbegriff dessen, dass man nur an sich

denkt und gemäss nach-mir-die-Sintflut alle anderen übergeht und vergisst.

Weitere erkennen darin ihren Zorn und ihre Wut, ihre Unzufriedenheit

und den Drang, dass sich die ganze Welt um sie drehen müsste.

Und auch einige halten es für das Böse in Person.

 

Ihr Ziel ist es,

das Ego zu bekämpfen und selbstlos

und spirituell für andere da zu sein, um diese

auf den einzigen wahren Weg der Liebe und des Lichtes zu führen,

vollkommenes, pures Licht, rein göttlich, so wie auch die selbstlose Liebe sein muss.

 

Vom Dunklen Pfad du abkehren musst,

das Dunkle keine Macht über dich haben darf,

nur licht-und-liebevoll du sein darfst!

 

 

Warum diese Inzenierung dem einen oder anderen vielleicht etwas übertrieben vorkommen kann, liegt dabei leider einzig und alleine darin, dass kaum jemand von der "überspirituellen" Fraktion das winzige Etwas mit an Bord hat, das soviele Situationen im Leben retten kann: Humor!

 

Ich habe zwei Neuigkeiten für jene, die es noch nicht gemerkt haben sollten:

 

Erstens:

Das Leben ist kein Star Wars Film.

 

Und zweitens:

Philippe Néricault, Schauspieler und Autor (1680-1754), einigen vielleicht besser bekannt unter dem Namen Destouches, hat es auf den Punkt gebracht

 

Das Natürliche du verjagst,

im Galopp es zurückkommen wird

... alsoooo frei übersetzt ;)

 

Die meisten dieser spirituellen Leuchten sind nämlich so sehr damit beschäftig, vor sich hin zu glühen, dass sie den Fehler in ihrem Denken nicht mehr erkennen können.

 

Das, was sie so negativ als Ego bezeichnen, hat nämlich längst den Weg durch's Hintertürchen genommen und es sich in ihrem Inneren gemütlich gemacht... bzw... ich persönlich hege ja den Gedanken, dass es nie wirklich weg war.

 

 

Im Laufe meiner spirituellen Laufbahn bin ich regelmässig in Kontakt mit Menschen geraten, die von sich behaupteten, dass auch sie spirituell wären, wie wichtig ihnen dieser "seelische" Aspekt sei und dass Werte wie Altruismus an oberster Stelle bei ihnen stünden. Das Materielle wurde gerade noch akzeptiert, weil man es ja für das Leben hier braucht, doch wer sich Zeit für sich nahm und nicht bei jedem Fingerschnippen den anderen zur Verfügung stand, war "egoistisch" und so gar nicht spirituell. Bitte versteht mich recht, auch ich dachte eine zeitlang ähnlich, doch nachdem ich erlebte, wie ich mit dieser Technik mit 300 kmh gegen eine Wand fuhr, wurde ich endlich ausreichend wach, um mir das Ganze zu überdenken. Heute kann ich mit einem kleinen Schmunzeln erkennen, dass ich verstehe, warum Altruismus bei jenen Menschen so hoch steht: Das ist das spirituelle Äquivalent für Kleingeister, die nicht ans oberste Regal kommen.

 

Das Ego gehört zu unserer Natur, es macht uns aus, und wenn wir nicht lernen, es zu verstehen, darauf zu achten, es zu nähren, kann es nicht zufrieden sein, um sich mit anderen auszutauschen und ein soziales Leben zu führen. Dabei bitte ich - wie immer - auf das gesunde Mass zu achten. Es gilt nicht, das Ego zu überfüttern, doch sollte man es auch nicht verhungern lassen.

 

Da fällt mir doch glatt eine Reklame ein: Du bist nicht du, wenn du hungrig bist.

 

Und ja, je mehr man das Ego verhungern lässt, umso öfter steht es in der dunklen Nacht auf, schleicht zum mentalen und emotionalen Kühlschrank und futtert sich voll, bis es platzt.

 

Das Interessante daran ist, dass es den meisten auf diesem Weg gar nicht auffällt, wie sehr sie selbst auf das Licht im Kühlschrank starren und es für Gott in Person halten.

 

Unter welchen Deckmäntelchen sich dabei diese göttliche Komödie zeigt, ist für jene nur allzugut zu erkennen, die wirklich darauf achten, ein gesundes Mass an Bescheidenheit, Mitgefühl und Humor in ihr Leben einzubringen.

 

Die anderen merken dabei nicht einmal, dass sie genau denselben Klassen- und Konkurrenzkampf wie die Nachbarn mit ihren Autos führen, wenn sie sich gegenseitig die Karten

Meine Aura !

Mein Krafttier !

Mein Engel !

zuspielen...

 

Um zu zeigen, wie extrem diese Megalomanie inzwischen in diesen Menschen wuchert wie ein spirituelles Krebsgeschwür, zeigen dann solche Anekdoten, von denen ich einfach mal zwei mit euch teilen möchte.

 

So erzählt eine Frau über ihren Partner und dessen Eltern (Leute, die man weder kennengelernt hat und deren Version man nicht erfahren wird), erklärt, dass die Mutter eine böse Person sei, die ihren Freund manipulieren würde, sich von ihm fernzuhalten. Und gleichzeitig will sie alles dransetzen, eben diesen Partner, den sie doch so liebt, an sich zu binden.

Wer in diesen Augenblick nur den bescheidenen Ansatz mit einbringt, man kenne nur eine Seite der Geschichte und nicht die beiden anderen (die des Partners und der Mutter), dem wird erklärt, dass der gesunde Menschenverstand doch diese Lücken problemlos füllen kann und ein komplett wahrheitsgemässes Bild daraus machen wird.

 

Und als eine andere Frau sich mit meiner Hilfe von der Erziehung ihrer Mutter löste, welche daraufhin meinte, ich habe einen schlechten Einfluss auf ihre Tochter, wurde mir aus gleicher Sparte erklärt, die Sicht der Mutter sei NUR als falsch zu beurteilen. Deren Erfahrungen und Empfindungen interessieren die liebevollen spirituellen Wesen mit ihrem gleissenden Flutlicht in keinster Weise: Es ist falsch und die Frau ist falsch und Punkt.

 

Nach dieser Begebenheit ist auch mir ein Licht aufgegangen: Dieser spiritueller Weg führt dazu, dass diese Menschen effektiv glauben, sich ihres Egos entledigt zu haben. Sie sind inzwischen der absoluten Meinung, dass dadurch, dass sie - weil sie kein Ego mehr haben - auch kein Ego mehr da sein kann welches eine Meinung haben kann (merkt es jemand, na?). Demnach ist ihre "logische" Schlussfolgerung dass es sich bei ihrem Urteil und ihrer Bewertung nur um die unumstössliche absolute Wahrheit handeln kann.

 

Wer also nun richtig hinschaut, wird erkennen, dass das Ego immer dabei war, nur wohl versteckt und verkleidet, so wie ein Schauspieler, der seine Rolle mit vollem Herzen spielt und dabei tut, was er zu tun hat: Da sein und seine Rolle spielen.

 

Und während die spirituellen Wesen ihren Heiligenschein putzen bis er leuchtet wie ein Flutlicht in einer Fussballarena, das alle verblendet, und sie ihre Vordertür mit einem zufriedenen Seufzer schliessen, so als hätten sie gerade den Staubsaugervertreter erfolgreich hinauskomplimentiert...

 

... hat das Ego den Kühlschrank leergeräumt und sitzt mit Kaffee und Kuchen bei hyygeligem Licht und schaut sich die Fortsetzung des Filmes an: Die Rückkehr der Ego-Ritter ;)

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