Gott, Monotheismus und die Welt
Was passiert in der Gesellschaft III:
Gott, Monotheismus und die Welt.
Während die beiden ersten Texte (Initialkonflikt und depressive Gesellschaft) die Entwicklung unserer kindlichen Prägung erklären, möchte ich nun darauf eingehen, inwiefern der hier angesiedelte Monotheismus etwas damit zu tun hat, wie sich unsere Gesellschaft entwickelt hat.
Auch wenn heute etliche Leute sich aus der Kirche ausschreiben und erklären wollen sie hätten mit dem Christentum und mit Gott nichts mehr am Hut, so scheinen sie zu vergessen, dass etwas mehr dazu gehört, sich dieser Werte zu entledigen als sich davon zu distanzieren oder gar, wie zum Beispiel massenweise "Atheisten", dagegen zu wettern und einen Konkurrenzkampf zu veranstalten. Obwohl es mir hier nicht darum geht, dieses brisante Thema weiterhin aufzuheizen möchte ich einfach nur klarstellen: Wer andere klein- und lächerlich machen muss, der hat das Thema NICHT verarbeitet. Wie heisst es doch so schön, man muss die Kerze des anderen nicht ausblasen, um die eigene Funzel leuchten zu sehen. All die Energie und Aufmerksamkeit, die man sehr gut in konstruktiver Weise bei sich ansetzen könnte, wird auf andere verschwendet, die man nicht einmal mag.
Ich werde demnach kurz sarkastisch: Intelligent ist anders.
Doch zurück zu den Punkten, die sich wirklich abzeichnen, und die im Wertedenken vieler Menschen immer noch fest verankert sind.
Dazu möchte ich erst einmal an die Erklärung des Initialkonfliktes anknüpfen.
Während also der Erwachsene nun innerlich den Konflikt erlebt, Sicherheit zu suchen und gleichzeitig sich selbst (er)leben zu wollen, wird er genau diesen Blick nach aussen weitertragen. Unser Beispiel-Paul hat also gelernt, aus der Transaktionsanalyse sozusagen "nach oben" zu schauen. Als Kind ist dies sogar real zu verstehen, da die Eltern das Kind von oben herab bestrafen werden, wenn es ihren Regeln nicht folgt. Da diese binären Konsequenzen darüber hinaus von der Laune der Eltern abhängt (eine Strafe mag zB milder ausfallen, wenn Mama gerade gut gelaunt war), wird Paul demnach nicht vorher sehen können, was ihn erwartet. Dies wird durch Androhung tertiärer Konsequenzen natürlich verstärkt, bei denen weder die Persönlichkeit (die Wesenheit) noch die Konsequenz selbst wirklich als Realität erlebt werden kann.
Wenn also Paul ein stark (nicht 'gut') entwickeltes angepasstes Kind-Ich in sich trägt, wird dieser Anteil von ihm auch späterhin im Leben nach äusseren Referenzpunkten suchen, die die Projektion der Erziehung aufrecht erhalten.
Hier kann der Chef schnell zur Vaterfigur werden und manch einer wird bei einer Ehefrau, die den mütterlichen Aspekten entspricht, schnell zum Pantoffelheld. Doch all dies wird nur die binären Konsequenzen nähren.
Für die tertiären, abstrakten, nicht erfassbaren Konsequenzen, die bloss wie ein Damoklesschwert über Paul hängen, wird zu einer fiktiven Wesenheit gegriffen, die in unserer christlich angehauchten Gesellschaft unter dem Namen "Gott" bekannt ist.
Auch wenn viele nun auf die Kirche zeigen, und erklären, dass sie sich davon distanzieren, ändert dies nichts daran, inwiefern sie im Zwist ihrer eigens erschaffenen Gottesfigur gefangen sind. Denn einerseits erklären sie, was Gott denn will und auf der anderen Seite erwähnen sie, dass man sich kein Bild von Gott machen kann/soll. Hier zeigt sich, dass es sich bei Gott um eine Projektionsfläche handelt. Dabei unterliegt dieser "Gott" denselben Projektionen wie viele Menschen in dem Umfeld der Anpassungs-Kind-Ich-gesteuerten Menschen. Oftmals glauben diese nämlich, Erwartungen einer weiteren Person gerecht werden zu müssen, die diese gar nicht hat.
"Gott" ersetzt demnach in der Welt jener Menschen das väterliche und/oder mütterliche Bild, das ebenso sehr schützend und tröstend erscheinen kann, wie zürnend und strafend.
Und so wird das angepasste Kind-Ich auf der einen Seite genährt, während das innere Rebellenkind weiterhin etwas hat, um dagegen zu rebellieren, ohne dass ein Erwachsenen-Ich sich selbstverantwortlich entwickeln kann.
Inwiefern die sogenannten christlichen Werte dabei eine Rolle spielen, lässt sich weiterhin erklären. Erst das monotheistische Weltbild hat abstrakte Werte wie "gut" und "böse/schlecht" in unsere Gesellschaft eingebracht. Naturkulturen wie sie auch hier in unseren Gegenden vorher existierten, waren sich der Gefahren der Natur sehr wohl bewusst, doch diese waren real und ihre Konsequenzen liessen sich ebenso konkret erleben. Auch der Umgang mit den pantheistischen Göttern war viel breitgefächerter und nicht auf "illusionäre" Instanzen alleine festgemacht. Sogar der Gedanke an Thor war an Blitz und Donner zu erkennen, also an etwas Konkretem.
Erst die christlichen Glaubensvertreter brachten mit "Gottes Wege sind unergründlich" das abstrakte Konzept mit. Sie zerstörten von sich aus heilige Stätte und ermordeten Leute, die sich dafür entschieden, beim eigenen Glauben zu bleiben, ohne dass Gott jemals etwas konkretes gezeigt hätte, das ihn (ob real oder illusionär) bewiesen hätte. Alles geschah durch Menschenhand und wurde als Auftrag Gottes dargelegt.
Die Überlebenden, die sich dem Glauben unterwarfen, entwickelten also eine Angst an etwas, das nicht zu kontrollieren war, und anstatt dass die logische Entwicklung der Menschen jene gewesen wäre, dass der Mensch mit der Zeit Erkenntnisse gewonnen hätte, die ihm helfen konnten, alte Ängste (die früher notwendig waren) zu verarbeiten und zu heilen, wurde diese Angst nun auf etwas übertragen, das nicht erklärbar ist und deswegen nicht greifbar und nicht auf der Linie der menschlichen Entwicklung heilbar.
Hier möchte ich kurze eine Klammer öffnen und auf die Parallelen der Gottes-Idee und der Erziehung hinweisen. Sowie Mama Beispiel-Paul etwas verbat, es vielleicht am Weihnachtsmann festmachte, und dann selbst strafte, so verbaten die christlichen Vertreter den wirklichen europäischen Einheimischen vieles, machten es an Gott fest, doch straften selbst.
So bleibt "Angst" in den Köpfen der Menschen erhalten und anstatt zu versuchen, den Dingen auf den Grund zu gehen um damit "durch" zu sein, wird diese Angst durch den Gedanken an tertiäre Konsequenzen aufrecht erhalten und auf alles projiziert was man selbst nicht versteht. Das Wort "Angst" kommt übrigens von "eng" (Engste) und so bleibt die ver-engte Sicht ein Horizont, den seltenst jemand mit einer gesunden Neugier überschreiten möchte, indem er sein inneres Rebellen-Kind auf ebenso gesunde Weise einsetzt und erforschen will, was denn wirklich passiert, wenn man nicht nach diesen abstrakten Regeln lebt.
Dieser Aspekt ist demnach über unsere Erziehung in unser Denk- Werte- und Glaubenssystem übertragen worden und lässt sich nicht mir-nichts-dir-nichts mit einem Knopf ausschalten. Es gilt, dies zu verarbeiten.
Inwiefern haben jedoch noch weitere christliche Aspekte und Werte etwas mit der heutigen Gesellschaft zu tun?
An erster Stelle spielt hier das Wort "Schuld" eine Rolle, welches sich durch unsere Weltgeschichte zieht, seitdem es den Monotheismus gibt. Während es in Wirklichkeit um Konsequenzen (wertneutral, positive wie negative) und um Verantwortung geht, sprechen auch Menschen, die sich scheinbar vom Christentum gelöst haben, immer noch von Schuld. Wenn irgend etwas passiert, wird jener gesucht, der schuld ist. Es wird ein Mensch gesucht (oder Menschen, Gruppen, Völker), die "schuld" an dem sind, was abläuft. Dabei entwickeln sich zwei Aspekte:
Erstens einmal geht es nicht mehr um die Lösung des Problems oder um die Klärung der Situation, zu der vielleicht sogar Unbeteiligte etwas beitragen könnten.
Zweitens wird damit von sich selbst und der Eigenverantwortung abgelenkt.
Dies passiert nicht böswillig sondern weil der Mensch aus der Kindheit geprägt wurde, dass er sich anderen anpassen muss, und nichts beizutragen hat. Den wenigsten wurde in der Kindheit Werte wie Eigenverantwortung beigebracht. Wenn Paul die Kekse alleine futterte, war er SCHULD und wurde demnach betraft. Er wurde gelehrt, nach aussen zu schauen, und unsere heutige Gesellschaft trägt dazu weiter bei, weil jede Art von Erziehung und Prägung immer nach aussen geleitet wird.
Wie soll also ein Mensch, der nur lernt, auf andere zu schauen, überhaupt noch erkennen, wer er ist, für den er Verantwortung übernehmen könnte?
Ein weiteres Wort wurde wegen dieser Werte sogar pervertiert: Egoismus.
Da Selbstlosigkeit das Höchste überhaupt ist, Leute wie Mutter Theresa in höchsten Tönen gelobt und als absolutes Beispiel jedem unter die Nase gerieben werd, wie man ein guter Mensch zu sein hat, wurde das Wort "Egoismus" (und auch Ego) zum Unwort pervertiert.
Dabei bedeutet Egoismus nur Ich-Sein, ermöglicht es uns, uns selbst und unsere Grenzen zu erkennen und zu wahren und somit auch den anderen im Ich-Sein zu respektieren. Der Gedankenweg der Selbsterkenntnis ist also versperrt durch "christliche Werte".
"Gott" hängt dabei über jenen Menschen, die davon auf abstrakte Weise geprägt wurden, wie ein Damoklesschwert: unerreichbar, drohend zu fallen und dennoch einfach bloss da ohne etwas zu machen, ohne dass etwas passiert.
Und solange der Mensch all diese Dinge nicht für sich selbst klärt und jeden in seinem Glauben in Frieden lässt, deutet alles in ihm auf den Initalkonflikt hin, genährt von der depressiv-gepolten Erziehung, um ihn in der Angst festzuhalten, in welcher er zum Schluss kommt, es ist besser nichts zu tun als das "Falsche" zu tun.
Dabei möchte ich noch einmal drauf hinweisen, dass es nicht hilft, einfach zu sagen "ich bin nun Atheist" oder "ich bin nun Heide". Ich kann immer noch erkennen, wie abstrakte Werte wie "richtig" und "falsch" einfach übernommen werden, weil sie nicht verarbeitet wurden.
Und woran liegt das?
Nun, auch der Mensch, der eine andere Richtung (nach aussen hin) wählt, hat in seinem Inneren den Initialkonflikt noch nicht gelöst, weil er weiterhin an der Prägung festhält, dass sein Leben nicht in seiner Hand liegt und dass er keine Eigenverantwortung trägt. Also wird weiterhin gegen religiöse oder politische Richtungen gewettert (Rebellen-Kind) und sich anderen Informationen unterworfen (angepasstes Kind).
Einzig und alleine Psychologie steht zwischen all dem Zwist, und bietet Lösungswege an, die dort Lösungen einbringen, wo sie einzig und allein wirksam sein können: In uns!