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Was sind die Konsequenzen?

9. Mai 2017, 10:34am

Veröffentlicht von Shade

Was passiert in der Gesellschaft IV:

Was sind die Konsequenzen

 

Dass die Aspekte, die ich in den vorherigen Texten erklärt und beschrieben habe, natürlich auch weitere Konsequenzen haben, liegt auf der Hand. Dabei möchte ich nun weiterhin auf die Zwiespältigkeit dieser Konsequenzen hinweisen, die diese mit sich tragen.

 

Die Gesellschaft besteht also grösstenteils aus Menschen, deren Fokus nach aussen gekehrt ist, was bedeutet, dass Verantwortung und Wunscherfüllung normalerweise bei anderen liegt. Dabei geht es hier nicht um Schuldzuweisung. Wer in seiner Kindheit gelernt hat, dass jede Art von Konsequenz, sei sie nun positiv oder negativ, von Aussen (oder gar von "Oben") kommt, hat die Möglichkeit nicht gelernt, dass dem nicht so ist.

 

Hier entsteht ein doppeltes Wechselspiel.

Auf der einen Seite glauben Menschen, sie müssten den Forderungen anderer nachkommen, egal ob diese sie wirklich gestellt haben, oder dies nur in der Vorstellung des einzelnen existiert.

Auf der anderen Seite denken dieselben Menschen, andere müssten also auch ihren Erwartungen entsprechen. Wie weit dabei dieser Gedankengang unterbewusst abläuft, möchte ich an einem Beispiel zeigen, das mir vor kurzem passiert ist.

 

Mir wurde zu einer "Arbeit" die ich allgemein tat, von einer Frau erklärt, ich sei ihr nicht verpflichtet, dies zu tun. Dabei tat ich die Arbeit aus eigenen Gründen und Motiven, doch die Frau war der absoluten Überzeugung, sie wäre der Grund, der Auslöser, der Mittelpunkt der Arbeit. Nicht nur also hatte sie die Annahme, dass ich es für SIE tun würde, sondern sie glaubte ebenfalls, sie wäre in der Lage mir zu erlauben, diese Arbeit nicht zu tun!

 

Wer richtig hinschaut, erkennt solche Situationen im Alltag, und stellt somit fest, dass eine der Konsquenzen nicht der Egoismus sondern der Ego-ZENTRISMUS ist.

 

Der Unterschied ist sehr einfach zu erklären. Während Egoismus immer nur das Individuum selbst betrifft, der sich erst einmal um sich selbst kümmert, ist der Egozentriker fest in seinem Umfeld verankert. Er ist von seinen Mitmenschen abhängig, um ein Umfeld zu schaffen, in welchem er zum Mittelpunkt wird.

 

Die depressiven Persönlichkeiten werden diesen Mittelpunkt mit Kusshand annehmen, da sie nun jemanden haben, dem sie glauben, gerecht werden zu müssen. Der Haken an der Geschichte ist, dass sich dies nicht lange aufrecht erhalten wird, da eben diese depressiven Persönlichkeiten irgendwann auch Forderungen an ihre "Sonne" stellen werden, sich also selbst in den Mittelpunkt stellen wollen, um den dann der vorherige Egozentriker drehen soll. Ich denke, ich muss nicht weiter erklären, dass dieses hin und her nur zu Streit, Frustration und Unzufriedenheit führen kann, während jeder gleichzeitig Mittelpunkt sein will und ebensosehr die Verantwortung wie den schwarzen Peter auf den nächsten abschieben möchte.

 

Hinzu kommt der zwanghafte Einfluss, der gerne alles so lassen möchte wie es ist, und der somit diese Flexibilität gar nicht zulässt. Es entwickelt sich ein zwanghafter Drang alles zu kontrollieren, was das Depressive weiterhin in die Richtung einer wirklich krankhaften Depression führt, weil sich weder Dinge noch Menschen so kontrollieren lassen, wie es erwünscht ist.

 

Das Resultat ist, dass die Erwartungen des einzelnen unerfüllt bleiben, was die Prägung der tertiären Konsequenz triggert, und der Mensch sich darin bestätigt fühlt, dass ein übergestelltes Wesen (Gott) ihn wohl nun bestraft. Anstatt also im Innern die Muster zu erkennen und zu klären, wird weiterhin nach aussen geschaut und die Situation wird an abstrakten Erklärungen festgemacht.

 

Ein weiteres Beispiel, das sich hier sehr stark abzeichnet, sind die Partnerschaften, die in die Brüche gehen, und wo dem Verflossenen weiterhin hinterher geschmachtet wird. Ganz nach dem Motto "bis dass der Tod euch scheidet" (was den zwanghaften Typus nährt) wird eine Partnerschaft begonnen, und vom Partner gefordert, wie dieser zu sein hat, um uns glücklich zu machen (depressive Persönlichkeit, Erlebnis des angepassten Kind-Ich). Bricht diese Partnerschaft unter dem aufgebauten Druck zusammen, wird sich weiterhin an dieses untergehende Schiff geklammert, meist mit dem Wunsch, der ANDERE möge seinen Fehler einsehen, der ANDERE möge zurückkommen.

 

 

Ein weiterer Punkt, der sich in unserer Gesellschaft als Konsequenz abzeichnet, ist der Materialismus. Da wir in diesen Ängsten und Prägungen aufgewachsen sind, beginnen viele Menschen zu glauben, ihre Sicherheit an materiellen Dingen festmachen zu können. Auch hier spielt die zwanghaft-depressive Persönlichkeit des zu stark ausgeprägten Kind-Ichs eine grosse Rolle. Es versucht eine gewisse Verantwortung zu entwickeln, und sucht seine Sicherheit in dem was zu Anfang geprägt wurde: Etwas konkretes, was man anfassen und auf primärer Ebene erlebt werden kann.

Und so steuert Beispiel-Paul im Erwachsenenalter unbewusst auf die erste Prägung zurück: Besitz, Essen und all jene Dinge, die primäre Erfahrungen ermöglichen.

 

Dabei wäre dies in gewissen Masse nicht 'falsch', wenn der Beweggrund hinterfragt werden würde. Denn etliche Menschen schaffen sich das eine oder andere aus purer Lust an der Freude an, geniessen es in vollen Zügen und erfreuen sich dessen, was sie haben. Doch da bei ihnen keine Angst und kein Sicherheitsbedürfnis mitschwingt, ist die Lust und Freude "echt". Auch wenn der Besitz dann irgendwann losgelassen werden muss, mag dies mit einem melancholischen Gefühl verbunden sein, das jedoch schnell der Freude, dass nun etwas Neues entdeckt werden kann, Platz machen wird.

 

Auch weiterhin wird sich unser Unterbewusstsein einen Weg zurück in unser Leben bahnen. Eine weitere Konsequenz, die ich seit einiger Zeit beobachte, ist die Art und Weise wie konkrete Informationen ganz individuell so gedreht werden, wie sie ins eigene Weltbild passt. Das krasseste Beispiel ist dabei der Vokabular der Menschen und somit die Kommunikation untereinander, die langsam aber sicher an die Geschichte des Turm von Babel erinnert. Um kurz "biblisch" zu werden... da diese Menschen einen Turm zu Gott hinauf bauen wollten, hat Gott ihnen verschiedene Sprachen gegeben, so dass sie sich untereinander nicht mehr verstehen konnten.

 

Ging es damals um verschiedene Sprachen, wird dies inzwischen in jeweils einzelner Sprachen überdeutlich. Wie sehr Worte wie "Egoismus" oder "Liebe" schon pervertiert wurden, sind bloss ein Beispiel in dem Lauf der Zeit.

Fast jedes abstrakte Wort wird langsam aber sicher mit eigenen Werten gefüllt, von denen dann erwartet wird, dass andere das Wort genau so verstehen. Dabei wird nicht einmal geklärt, ob man sozusagen immer noch von derselben Sache redet. Worte, die klar und deutlich definiert worden sind, die sich etymologisch nachvollziehen lassen, wird ein anderes Mäntelchen mit den Worten "ich seh das SO" übergezogen und so redet die Menschheit munter aneinander vorbei, mit der Erwartung (depressive Persönlichkeit) dass andere sie verstehen.

 

Und langsam, immer stärker, entwickelt sich dabei der Glaube, dass jeweils der "Redende" recht hat, und die Verantwortung fürs Verstehen einzig und alleine bei den anderen liegt.

 

Um es bildlich darzustellen, auch hier besteht die Welt nur noch aus Sonnen, die einander anleuchten und verblenden.

 

Die Frage die nun eigentlich bleibt, ist jene, ob es eine Möglichkeit gibt aus diesem Karrussell auszusteigen.

Und auch hier möchte ich kurz auf zwei Dinge hinweisen:

Erstens wird auch hier die Erwartung auf den anderen zu keinem Resultat führen. Was ich in weiteren Texten erklären werde geht ausschliesslich darauf hin, was man selbst tun kann.

Zweitens gilt es nun ebensowenig, die Erwartungen sich selbst gegenüber ins Unermessliche zu steigern. Die Gesellschaft hat Jahrhunderte gebraucht, so verquer zu denken, nun sind kleine Schritte angesagt, doch gilt es, diese umzusetzen.

Und drittens ist es nicht die Arbeit eines jeden, nun die Welt zu retten, sondern einzig und allein daran zu arbeiten, seine eigene Welt in Ordnung zu bringen.

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