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Ist "Liebe" wirklich die Lösung?

4. September 2013, 22:24pm

Veröffentlicht von Shade

In vielen Büchern und Internetseiten, die sich mit Esoterik und Spiritualität befassen, werden oftmals die Probleme unserer heutigen Zeit aufgegriffen. Dabei wird immer wieder betont, dass die einzige Lösung die Liebe sei. Auch wenn dabei regelmäßig darauf hingewiesen wird, dass es sich dabei um die allumfassende, gar ‚göttliche‘ Liebe handelt und nicht mit der sexuellen Liebe unserer Gesellschaft zu vergleichen sei, so hege ich doch Zweifel an dieser Wortwahl. Nur selten habe ich Menschen kennenlernen dürfen, die mit diesem Wort auch diese so wundervoll erklärte ‚Liebe‘ ausstrahlten. Eher schien sie in sich selbst aufgezwungen, was dann auch auf den Nächsten (ganz ohne Liebe) projiziert wurde. Da ich es persönlich als sehr wichtig empfinde, das richtige Wort einzusetzen, um das erwünschte Resultat erzielen zu können, stellte sich mir über die Jahre hinweg die Frage, ob sich meine Idee zu diesem Thema bestätigen würde. Denn mal im Ernst, wie klingt das, wenn man von „Liebe, aber nicht der gesellschaftlichen, sondern der absolut göttlichen Liebe“ spricht? Wie soll man sich da gleich auf das richtige „Ding“ konzentrieren, wenn nicht auf Anhieb für JEDEN klar ist, was man meint?

 

Ich möchte nun zu diesem Thema zwei sehr ungewöhnliche Quellen mit einbringen, da sie bildlich auf Aspekte hindeuten, die ich für meine Erklärung benötige. Als erstes möchte ich dazu zu Michael Ende’s Buch „Die Unendliche Geschichte“ greifen. Das Bildnis der Kindlichen Kaiserin ist geeignet als Symbolik der Liebe. Alles entsteht durch die Kindliche Kaiserin, sie urteilt nicht, teilt nicht in Gut und Böse, alle sind gleich. Die Ähnlichkeit mit der Definition der „göttlichen Liebe“ ist nicht von der Hand zu weisen. Doch gibt es diese Liebe wirklich?

 

Ich denke, man sollte einen Blick zurückriskieren, auf die Herkunft des Wortes „Liebe“, eine Herkunft, die ein ganz anderes Licht auf jenes Wort wirft, welches viele als DEN Schlüssel zur Erlösung betrachten. Das Wort „Liebe“ entstammt dem Wort „Libido“, welches in der Psychologie die Gesamtheit dessen darstellt, das der einzelne, individuelle Mensch als für sich notwendig empfindet. Wie er es auslebt, hängt von den Filtern des Ichs und Überichs ab, aber dies spielt nun für dieses Thema keine Rolle. Fakt ist, dass die Libido des einen nur bedingt mit der Libido des nächsten zu vergleichen ist. Die Bedürfnisse eines jeden sind zu unterschiedlich, Parallelen findet man lediglich in den basischsten, urigsten unserer Wünsche: das eigene Überleben, indem man ausreichend Nahrung und Schlaf bekommt und das Überleben der Art, indem man ausreichend sexuellen Austausch hat. Die psychischen Begehren können sich auf verschiedene Weisen zeigen, denn z.B. das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit kann sich ebenso sehr in der völligen Aufgabe in einer Partnerschaft als auch in einer gluckenhaften Erziehung der Kinder oder in einem ausgewachsenen Helfersyndrom zeigen.

 

Wie kann man diese Überlegung in die Symbolik der kindlichen Kaiserin einbringen? Um dies zu erläutern, möchte ich auf eine andere ungewöhnliche Quelle zurückgreifen: Die Jedi-Ritter. Der Codex der Jedi-Ritter erklärt, dass jede Emotion von der Macht, die alles durchdringt, ablenkt. Auch Liebe gehört zu diesen Emotionen, da die Liebe eines Menschen ein libidinöses Bedürfnis ist und nichts mit der allumfassenden Macht zu tun hat, die nicht wie ein Mensch kämpfen muss um zu überleben, sondern die einfach DA ist. In ihren Augen hat die Liebe lediglich etwas mit dem Objekt der Begierde, sei das nun ein Partner oder vielleicht ein Land oder ein Auto, zu tun. Liebe hat also etwas mit der egozentrischen Realität zu tun, die von Mensch zu Mensch verschieden ist Es ist kein Punkt, auf den sich die Aufmerksamkeit der gesamten Menschheit konzentriert, sondern jeder wirft seine Aufmerksamkeit auf etwas anderes, das er als Liebe definiert. Das Wort „Liebe“ kann also dem, was alles verbindet, dem was „Gott“ uns mit auf den Weg gegeben hat, niemals gerecht werden. Wie sollte auch ein Wort, welches aus der Herkunft unseres Überlebensstrebens stammt, einen Sinn haben für etwas, das ewig ist? Die Kindliche Kaiserin benötigt – wie in der Geschichte – einen neuen Namen, einen Namen unter welchem jedes Wesen dasselbe versteht und worauf sie alle ihre Aufmerksamkeit lenken können.

 

Wenn ich ein Wort dazu nutzen müsste, das schon existiert, würde ich mich für „Friede“ entscheiden. Es mag egoistisch klingen, doch die Menschen, die ich am angenehmsten empfinde, sind die die zu-frieden sind, in Frieden mit sich und der Welt, so wie sie ist, ohne Leid und Krieg zu verurteilen, weil sie wissen, dass kein Kampf um Liebe – und sei er noch so „liebevoll“ geführt – erreichen kann, dass Leid, Krieg, Hunger und Angst aufhören zu existieren, sondern dass es nur jeden einzelnen davon abhält, seine eigene Mitte zu finden. Denn nur wenn wir den Frieden in uns selbst leben, kann sich dieser in der Welt ausbreiten.

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