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ANOTHER LOOK

Das Borderlinewesen der Liebe

27. Januar 2015, 13:00pm

Veröffentlicht von Shade

 

Kaum ein Thema wird in unserer Gesellschaft so oft mit verträumten Blick wahrgenommen wie die Liebe. Über kaum ein Thema wird soviel geschrieben, gesungen, gesprochen und geschauspielert. Kaum ein Thema wird so sehr in höchsten Tönen gelobt. Filme und Romane, die dadurch ein Happy-End haben, weil die Liebe doch über alles siegt. Oder sogar "Die Liebe hat kein Happy-End, denn wahre Liebe endet nie", kann man lesen.

 

 

 

Vieles davon klingt wünschenswert, erstrebenswert, und dennoch, ein Blick in unsere Gesellschaft, in die vielen Trennungen, ein Blick auf die Gewalttaten innerhalb wie ausserhalb von Familien und Partnerschaften, und ich möchte ganz lapidar fragen: Was ist wohl schiefgelaufen?

 

 

 

Ich habe es mir zur Angewohnheit gemacht, mir solche Aspekte im Gesamtbild zu betrachten, bis hin zur Geschichte, in welcher sie sich entwickelt (oder auch nicht) haben, in diesem Fall, der menschlichen Geschichte. Und um dies zum Thema "Liebe" mal näher zubetrachten, ist es in meinen Augen angebracht, auch dem Wort "Liebe" auf die Spur zu kommen.

 

 

 

Mir fällt auf, dass unsere Sprache ganz oft nach dem Motto der Geschichte "Ein Tisch ist ein Tisch" behandelt wird. Nur weil Leute ein Wort auf eine Weise benutzen, bedeutet das ja nicht, dass diese Weise der "Wahrheit" entspricht. Die Herkunft eines Wortes trägt alleine deswegen seinen Teil mit dazu bei, was es bedeutet, weil der Sprachgebrauch ja auch mit der Entwicklung der Menschheit in Verbindung steht. Hätte das Wort von Anfang an einen anderen Sinn gehabt, wäre es vielleicht gar nicht erst gebraucht worden und hätte sich nicht weiterentwickelt.

 

 

 

Das Wort 'Liebe' allerdings hat einen Weg des psychologischen Irrsinns hinter sich, der, wenn man richtig hinblickt, nicht zu verleugnen ist.

 

Also: Couch raus und draufklopf!

 

"Bitte, Liebe, legen Sie sich hin. Wir werden heute über Ihre Kindheit sprechen!"

 

 

 

Der Ursprung des Wortes "Liebe" ist "Libido", ja jenes Wort, das für unseren Willen zu leben und zu überleben eingesetzt wird, und dies möchte ich neutral betrachten.

 

 

 

Der Wille zu überleben kann sich sehr brachial äussern, sehr brutal, sehr rau und aggressiv. Er ist derjenige, der sich durchsetzt, der die notwendige Stärke aufzeigt, um machtvoll seinen Platz einzufordern, und somit auch sexuell sein Gegenpart einzufordern um sich fortpflanzen zu können. Die Männchen kämpfen um ihre Macht zu demonstrieren, die Weibchen lassen nur das stärkste Männchen an sich heran.

 

 

 

Wenn ich dies nach freudianischer Weise betrachte, handelt es sich hier ganz klar um das "Es", jenes unkontrollierte Wesen in uns, das alleine schon deswegen seine Macht demonstriert, um zu beweisen, dass es ein Recht hat, zu leben und zu überleben.

 

 

 

Lange Zeit war jener Teil in unserem Menschenwesen vorherrschend, einfach weil es notwendig war, um in der rauen Natur überhaupt eine Chance zu haben, sich zu behaupten und zu überleben. Die Libido ist lebensnotwendig, nur... sie ist es auch heute noch!

 

 

 

Nun wissen wir jedoch, dass wir nicht nur ein ES haben, sondern auch ein ICH und ein ÜBER-ICH.

 

Und genau da liegt heutzutage das Problem, das sich nicht nur zum Thema "Liebe" in unserer Gesellschaft ausbreitet.

 

 

 

Wenn ich mir heutzutage anschaue, wie Leute "Liebe" bezeichnen, wird mir sehr klar, dass es fast immer in Hinblick auf einen anderen Menschen verstanden wird. Dabei unterliegt es Regeln und 'Gesetzen' wie sie zu erleben, zu erfahren, zu empfinden ist, und auch die Werte, denen es untergeordnet wird, sind in meinen Augen einen zweiten Blick wert.

 

 

 

So erklären mir Leute, dass ihre Sehnsucht nach einem geliebten Menschen, ein absoluter Beweis ihrer Gefühle dieser Person gegenüber sind. Dabei haben sie nicht unrecht, nur ob diese Gefühle wirklich etwas mit Liebe zu tun haben, ist zu überdenken.

 

 

 

Hierzu möchte ich einen kurzen Exkurs in die Richtung der Gefühle und unserer Bewertung dazu machen. In sehr vielen Büchern wird immer wieder darauf hingewiesen, dass unsere Gefühle der Verliebtheit nicht wirklich von anderen Gefühlen zu unterscheiden wären, würden wir sie nicht an die gerade existierende Situation binden. Ich glaube es war Dr. Eckhart von Hirschhausen, der erklärt hat, dass wenn wir ein komisches Gefühl im Magen haben gerade wenn wir jemanden kennengelernt haben, wir auf Verliebtheit schliessen, doch dasselbe Gefühl nach dem Essen, und wir verstehen, dass wir etwas schlecht verdaut haben.

 

 

 

Auch andere Autoren deuten darauf hin, dass es keinen Unterschied des Gefühls her ist, ob wir Prüfungsangst haben oder ob wir verliebt sind, und - mal sehr bodenständig betrachtet - es ist zweimal Angst! Auch Verliebtheit basiert auf der Angst, vom anderen nicht als 'gut' oder 'gut genug' befunden zu werden, sie fordert von uns, uns weiterhin anzustrengen, um vom anderen angenommen und gewählt zu werden, ganz gemäß dem libinalen Brunftverhalten unserer Vorfahren!

 

 

 

Das allerdings will heutzutage kaum noch jemand wahrhaben. Auch wenn uns Erich Kästner in seinem Gedicht "Die Entwicklung der Menschheit" sehr deutlich erklärt, dass wir im Grunde genommen immer noch dieselben Affen sind, werde ich in unserer heutigen Gesellschaft wohl kaum jemanden finden, der unverhohlen zugeben wird, dass wir uns noch nicht wirklich aus der rauen Gestalt des Urmenschen herausentwickelt haben. Nein, wir hauen uns nicht mehr mit Keulen und ziehen unsere Frauen auch nicht mehr an den Haaren in die Höhle um mit ihnen zu kopulieren. Nein, wir sind doch heute zivilisiert!

 

 

 

Nun, ich persönlich glaube eher, dass wir versuchen, unsere Wildheit mit aller Gewalt (man betrachte die Wortwahl) zu unterdrücken, zu negieren, in einen Käfig zu sperren ohne zu begreifen, dass sie immer wieder einen Weg in unser Dasein finden wird.

 

 

 

Was allerdings ist denn passiert, dass wir heute in einer solchen Situation sind?

 

 

 

Ich möchte also meinen gerade niedergelegten Faden wieder aufgreifen und über das ICH und das ÜBER-ICH reden.

 

 

 

Das ICH in uns Menschen kann man mit jenem kleinen Anhaltspunkt einer Waage vergleichen, der die beiden Waagschalen im Gleichgewicht halten kann. Während das ES überaus unkontrolliert ausbrechen könnte, und das ÜBER-ICH es über angelernte Werte zensieren will, ist es das ICH das beide Seiten gemäss eines Wagens vor den zwei Pferde gespannt sind, in dieselbe Richtung lenken kann: eine Richtung, die es ihm ermöglich, ein gesundes Dasein zu erfahren, ohne dabei über "Leichen" zu gehen.

 

 

 

Das ICH ermöglich es uns also, uns selbst im Austausch und Miteinander mit unserer Umwelt und unseren Mitmenschen nicht zu vergessen, während das ÜBER-ICH das ES ausreichend im Zaum hält, damit es nicht über die Stränge schlägt und im Sinne von "Nach mir die Sintflut" nur für sich selbst handelt.

 

 

 

Um also ein gesundes Miteinander in einer Gesellschaft zu ermöglichen, benötigt jeder Mensch eine Mischung dieser 3 Anteile seiner Selbst! Und genau diese Mischung ist dem Grossteil der Menschheit abhanden gekommen.

 

 

 

Das fehlende Detail ist das ICH, nämlich das EGO!

 

 

 

Besonders bei jenen Menschen, die sich als spirituell bewerten oder zumindest unserer Gesellschaft gegenüber nur noch kritisch gegenüber stehen, sie für ihre Art und Weise, wie sie sich zeigt (und nicht unbedingt, wie sie IST!) verurteilen, vergessen erstens, dass sie Teil dieser Gesellschaft sind, und zweitens, dass sie vielleicht gar nicht so anders sind, als sie uns (und sich selbst) gerne weismachen möchten.

 

 

 

Immer wieder lese ich von dem ach so böse EGO, das es zu bekämpfen und auszulöschen gilt, das ja nur nach sich selbst schaut, dem alle anderen egal sind. Inzwischen bin ich mit meinem Latein, bzw mit meinem Deutsch am Ende, wie ich es jenen Menschen sichtbar machen kann, dass das EGO kein Psychopath ist, sondern unser ICH, das das System unseres Selbst überhaupt in einen Ausgleich bringen kann. Ohne dieses EGO, diesen ICH-Anteil fällt die Waage und ihr Gleichgewicht in sich zusammen, was unsere Gesellschaft uns tagtäglich zeigt!

 

 

 

Wenn ich nun diese 3 Anteile auf psychologische Weise betrachte komme ich zu einem sehr krassen Punkt: Ein Mensch, der kein oder kaum ein ICH besitzt, ein Mensch der ein ausgeprägtes ES und ein ausgeprägtest ÜBER-ICH hat, gerät in ein Hin-und-Her der Extreme, die es ihm erschweren, ein ausgeglichenes Leben zu führen. Man kennt dieses Phänomen als Borderline-Syndrom.

 

 

 

Unsere heutige Sicht der Liebe unterscheidet sich in keinster Weise von diesem Phänomen.

 

Während unser ÜBER-ICH das ES in Grenzen zu setzen versucht, die für den libidinalen Überlebenswillen überhaupt keinen Sinn machen, besteht in Zwischenzeit eben dieses ÜBER-ICH aus Normen und Werten, die es dazu einsetzt, auch das ICH als abnorm zu betrachten, welches es zu bekämpfen, zu besiegen und zu vernichten gilt.

 

 

 

Dem geschundenen EGO allerdings, welches nun sehr stiefmütterlich behandelt wird, wird jede Daseinsberechtigung aberkannt, unter den Namen "spiritueller Aufstieg", "Zivilisation", "Erlösung" oder ähnliches.

 

 

 

Nun wird mir der eine oder andere erklären wollen, dass unsere Gesellschaft der beste Beweis sei, dass Egoismus einen "schlechten Einfluss" hat. Ich möchte dies anders auslegen: Unsere Gesellschaft ist der beste Beweis für die logische Entwicklung meiner Theorie. Immerhin wurden uns irgendwann die judeo-christlichen Werte einfach aufgedrängt. Mensch hatte nie die Möglichkeit, langsam, über die Zeit hinweg, eine eigene Ethik aus dem gesunden Menschenverstand heraus zu entwickeln, dass es auch anders ginge als sich mit Keulen zu verkloppen und Frauen an den Haaren in die Höhle zu schleifen.

 

 

 

Wir wurden mit Werten erzogen, und es wurden mit schlimmsten Strafen gedroht (sei das jetzt Hexenverbrennung oder ewige Hölle), wenn es jemand wagte, diese Werte auch nur zu hinterfragen und zu kontrollieren. Irgendwann, aus purer Überlebensnot, hat mensch sich diesen Werten untergeordnet und sie willen- und gedanklos hingenommen und weitergegeben. Und natürlich, wie mit allem in den Schatten verdrängtes, wurde es bei jenen Leuten, die diesen Werten kritisch gegenüber stehen, bekämpft.

 

 

 

Und da jede Art von Selbstliebe allgemein als nicht-erstrebenswert in den Schatten verdrängt wird, sucht sie sich andere Auswege, die in der heutigen Gesellschaft in allen Facetten sichtbar wird:

 

Egozentrismus, bei dem kaum noch jemand die Fähigkeit besitzt, über seinen Tellerrand zu schauen.

 

Gewalt, die als aufgestaute libinale Kraft, ihre Auswege sucht

 

Angst, die der 'zivilisierte' Mensch nicht mehr wahrhaben will und an unser urmenschliches Wesen anknüpft.

 

 

 

Heutzutage allerdings haben die Leute zum grössten Teil nicht mehr die Möglichkeit, jene Menschen als Hexen zu verbrennen, die nicht nach den von ihnen angepriesenen Werten funktionieren. Dennoch versucht man sie, deswegen, über das andere Extrem ins Lächerliche zu ziehen, sie schlechtzureden, als unglaubwürdig, und natürlich als die grössten Egomanen darzustellen, die es überhaupt gibt. Dabei handelt es sich bloss um jenen gesunden Egoismus, der notwendig ist, das Ich im Wir nicht zu vergessen, jenes Ich, das es uns überhaupt ermöglicht, unseren Beitrag in der Gesellschaft beizutragen, unsere Fähigkeiten, die bei jedem Menschen individuell einzigartig vertreten sind und die das Grosse Ganze überhaupt sichtbar machen können. Wäre dem nicht so, wären wir eine Monokultur, jeder Mensch beliebig austauschbar.. just another brick in the wall (Pink Floyd). Und wie jede Monokultur würde es die Natur vernichten!

 

 

 

Somit bliebe die Frage: Gibt es diese romantische Liebe, die als einzig wahres zu erreichbares Ziel hingestellt und angepriesen wird, überhaupt?

 

 

 

Persönlich denke ich, dass es etwas ähnliches gibt, jedoch nur, wenn wir es als ganzes anerkennen, ohne Borderline Syndrom, als Wesen unseres Ichs als Einheit.

 

 

 

Jeder, der sich die Zeit nimmt, sich diesen Punkten bewusst zu werden, jeder der sich ebenso sehr die Zeit nimmt, sich selbst in der Gesellschaft, in der Familie oder in der Partnerschaft, wahrzuhaben als einzigartigen Teil des Ganzen, entwickelt eine ganz normale Selbstliebe, aufgebaut auf der Libido, des Lebenswillens seiner selbst wegen. Und dieses Selbst kann sich dann in vollem Ausgleich, nicht mehr oder weniger wert zu sein als der nächste, erst einmal sich selbst und dann andere lieben, ohne diese Liebe einzuteilen, ob es nun ein Freund, ein Partner, ein Kind oder ein Elternteil ist, bewusst, dass auch jede "Liebe" einzigartig ist und zum Erhalt einer gesunden Menschheit führen kann.

 

 

 

Nur, passt dann das Wort 'Liebe' noch?

 

 

 

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S
In der Tat! Freundschaft besteht aus Liebe oder zuminsest ist da ein großer Anteil der dazu gehört. Aber wie weiss ich dan ob ich mit X zusammen leben will, vll mich fortpflanzen will kA Ich weiss nicht mal wie ich es erklären soll ^^"<br /> <br /> Ja ok stimmt! Das ist in meinem Kopf gar nicht so zusammen, bin wohl in dem 'Liebe wie im Film' oder so =O <br /> <br /> Eum.. ich weiss nicht genau.. weiss es gar nicht.<br /> Danke für die Antworten :D
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S
Meine Frage zum Thema ist sowieso, inwiefern Fortpflanzung etwas mit dem Gefühl "Liebe" zu tun hat.<br /> Hier greife ich zur Erklärung, dass das Wort ja mit dem Wort "Libido" zusammenhängt und einfach etwas mit dem Leben zu tun hat, doch wie du sagst, mit der "Filmliebe" haben all diese Dinge nichts zu tun :)
S
Persönlich frage ich mich ob ich überhaupt den Unterschied machen kan zwischen das was wir Liebe nennen, Interesse an einer Perseun oder 'attirance physique'. Also soviel zum Thema 'unbeschreibliches Gefühl das man nicht vergleichen kan etc.. '<br /> <br /> Das Liebe auf einer gewissen Angst basiert ist mir sogar schon eingeleuchtet O.O <br /> Hab mir schon andere [und mich selbst!!!!] angesehen und denke dan oft an Vögel, tout le senariot, dieses pompöse 'getanz' mit den Federn usw.. <br /> <br /> Wie weiss man ob man die Balance von den 3 hat? Oder besser wen man meint sie nicht zu haben welcher hat die Überhand und wie kriegt man das in den Griff?
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S
Hallo,<br /> Ich kann diesen Gedanken vollkommen nachvollziehen, und gehe da in zwei Richtungen.<br /> Die erste ist jene der Abstufungen. Ist Freundschaft nicht auch Liebe in einem gewissen Maße?<br /> Die zweite (zum Thema "Attirance physique") ist der Punkt, dass Liebe vom Wort "Libido" abstammt, also das gesamte nicht trennbar ist, bzw Trennung in meinen Augen eine Illusion ist.<br /> Zu deinen Fragen zur Balance würde ich persönlich auch wieder zur Inneren Systemik greifen. Was brauchen die 3 um an einem Strang zu ziehen.<br /> Liebe Grüsse