Unmoralische Genetik
Grob gesehen gibt es bei den Wölfen zwei Arten, die europäischen Wölfe und die sibirischen Wölfe. Ein grosser Unterschied, den man feststellen kann ist, dass europäische Wölfe sehr scheu sind, während die sibirischen Wölfe dem Menschen gegenüber mit Neugierde begegnen. Dies liegt daran, dass die europäischen Wölfe vom Menschen fast ausgerottet wurden, und nur die scheuen, ängstlichen, die sich vom Menschen fernhielten, eine Chance hatten, die Rasse überleben zu lassen. Man kann davon ausgehen, dass mensch mehr oder minder vor 1000 Jahren begann, den Wolf so vehemen vernichten zu wollen.
Es geht mir nicht darum, hier moralisierend auf die Vernichtungswut des Menschen hinzuweisein, und einen Finger seiner Art und Weise, wie er mit der Natur um ihn herum umgeht, zu erheben. Ich habe heute etwas ganz anderes im Sinn. Mir geht es darum, darauf hinzuweisen, wie mensch mit seiner eigenen, inneren Natur umgeht...
Wenn man bedenkt, dass sich die Genetik in etwa 1000 Jahren auf diese Weise immer noch zeigt...
Was sollte uns das über uns selbst sagen, wir Menschen, die seit über 200000 Jahren hier auf dem Planeten wandeln?
Mir fällt in letzter Zeit immer stärker auf, wie sehr sich die Menschen darüber empören, wenn andere gegen etwaige Werte verstossen, bei denen ich mir einfach allgemein und neutral frage, ob es vielleicht einfach in unserer Natur bzw. mit unserer Entwicklung - per Bewusstsein ebenso wie genetisch - dass einige so und andere so handeln.
Bitte versteht mich recht, ich kann die Werte bis zu einem gewissen Punkt nachvollziehen und respektiere sie im Menschen selbst, der damit erzogen wurde. Dennoch stelle ich mir die Frage, ob man diese Themen nicht etwas ganzheitlicher betrachten sollte, im Laufe der Natur und der menschlichen Geschichte. Es geht mir hierbei um jene Handlungen, die uns mit "gesellschaftlichen Normen und Regeln" in Kontakt bringen, und die - in meinen Augen - heutzutage jeder Logik entbehren.
Ich möchte dabei mal, sozusagen, ganz seicht beginnen, weil ich inzwischen nicht die einzige bin, die dieses Phänomen miterleben darf. Noch vor kurzem hat mir eine Freundin erklärt, wie Leute aus ihrem Umfeld reagieren, wenn sie ihnen erzählt, sie habe sich spontan in den Zug gesetzt um einen Spaziergang durch Metz oder Trier zu machen. Man verstehe, dass dies Orte sind, die keine Weltreise benötigen, doch der scheinbar ausschlaggebene Punkt, den diese Menschen zu schockieren scheint ist, dass sie das ALLEINE tut! Sobald ein Mensch sich Zeit für sich alleine nimmt, sei das nun durch einen Spontanausflug oder - wie bei mir - durch einen abendlichen oder nächtlichen Spaziergang ist die Reaktion fast immer dieselbe: Wie kannst du das bloss tun? Du kannst doch nicht alleine einen Spaziergang machen?
Doch, wir können! Es liegt, um es mal mit einem augenzwinkernden Blick auf Dilts' neurologische Ebenen zu sagen: Es liegt nicht auf der Ebene der Fähigkeiten, dass man so etwas nicht tun könnte.
Als ich mal etwas weiter nachfragte, warum das vielen Menschen so unmöglich schien, kam ich auf interessante Antworten: Wir Menschen sind gesellige und soziale Wesen und deswegen wird jeder Alleingang entweder als komplett abnorm betrachtet oder aber es wird einem gleich eine Art Depression zugeschrieben, weil man 'einsam und verlassen um die Häuser streift'.
Was mir dabei auffällt ist, dass die wenigsten Hinterfragen, welcher Grund diesem "sozialen" Verhalten eigentlich unterliegt. Dieses scheinbar doch so erstrebbare gesellige Wesen hatte früher einen sehr guten Grund: Angst und Überlebenstechnik! Die Chancen, dass ein Urmensch alleine in der damaligen Wildnis überleben könnte, war nicht nur sehr gering. Doch Urmenschen, mit jenen "ungeselligen" Genen wurden so schnell aus der Genetik der Menschheit heraus...gefressen, dass wir davon ausgehen können, nicht von jenen abzustammen.
Ebenso wenig stammen wir von denen ab, die, wie Dr. Eckhart von Hirschhausen es so humorvoll erklärt, vertrauenselig den Tiger zu streicheln versuchen. Wir Menschen stammen von jenen Urzeitwesen ab, die sich ängstlich zusammenrotteten um die Chance zum Überleben des einzelnen dadurch erhöhten, dass man sich mit anderen versammelte.
Um es mal sehr grob auf den Punkt zu bringen: Wenn ich mit 9 anderen zusammen in der Wildnis bin, hat sich meine Chance zehnmal erhöht, nicht gefressen zu werden, weil ein anderer erwischt wird.
Und das ist die Art und Weise, wie die Gene eines sehr hohen Anteil der Menschen auch heute noch funktioniert! Wer immer sich bewusst wird, dass diese Angst heute nicht mehr notwendig war, und sich somit als bewusst für einen Weg aus diesem genetischen Ursprung erarbeitet, kann ebenso wenig normal sein, wie der erste Affe, der den Baum verlassen hat um sich andersweitig Nahrung zu beschaffen.
Man sieht also: Wie es Erich Kästner in seinem Gedicht "Die Entwicklung der Menschheit" so schön zum Schluss formuliert hat: Im Grund genommen sind wir immer noch dieselben Affen.
Ein anderer Punkt, der mir ebenso sehr auffällt, sind die "Liebesaffairen", die inzwischen solche Ausmaße annehmen, dass ich mich frage, ob man das Vokabular "Liebe" nicht endlich aus dem Wörterbuch streichen sollte.
Scheinbar schmachtet jede dritte Frau irgendeinem verheirateten Mann hinterher, der sich alle paar Monate meldet, ihr dann wieder unter Herzschmerz erklärt, wie sehr er sie doch liebe, mit ihr ins Bett hüpft um sie dann wieder mental für die nächsten Monaten in den Keller zu sperren... wo besagtes Mädel wie ein Burgfräulein im Turme auf die Rückkehr des ach so edlen Ritters wartet, der scheinbar nicht nur den Schlüssel zu ihrem Herzen sondern auch zu ihrer Libido hat. Die plumpen Manipulierungstechniken, die die Männer einsetzen, um sich "Fräulein" warm zu halten, während sie andere Betten - vielleicht ja auch hin und wieder das eheliche - zu erkunden, deuten leider für mich leider darauf hin, dass auch bei weiblichen Wesen die Intelligenz wohl nicht im Hirn zu finden ist. Jene Frauen verromantisieren sich das Bild ihrer schmachtenden Liebe, wie es unzählige Legenden, Geschichten und Soaps es vormachen, und harren der Dinge, die da kommen werden... oder eben nicht. Jeder Appell an den gesunden Menschenverstand stösst ins Leere, man frage sich warum. Nur die grosse Empörung über die Freiheit, die sich die Männer nehmen, kann man allzeit hören.
Mal abgesehen davon, dass ich es den Männern nicht verübeln kann, dass sie Frauen so behandeln, weil diese sich so behandeln lassen, habe ich mir auch hier die Frage gestellt, inwiefern denn dies wirklich so ausserhalb des natürlichen Werdegangs des Menschenwesens liegt.
Monogamie ist religiösen Ursprungs, wurde dem Menschen irgendwann aufgedrängt und geht 100% gegen die natürliche Logik der Artenvielfalt. Auch hier möchte ich auf den Urmenschen hindeuten, der - um die Überlegenschancen seiner Rasse zu erhöhen - versuchte, seine Gene mit so vielen anderen Genen wie möglich zu vermischen, um vielleicht wenigstens einen Sprössling zu erzeugen, der der wilden Welt "da draussen" standhalten konnte. Es ist schlichtweg unlogisch, als Mann mit einer einzigen Frau 3 Nachkommen mit derselben DNA-Mischung zu erzeugen, ebenso für die Frau.
Warum glaubt also mensch nun, diesem natürlichen Aspekt einen moralischen Keuschheitsgürtel anlegen zu können, der dann auf magische Weise wohl, einfach puff, die Genetik ändern könnte?
Es bliebe allerdings eine Frage, und die werde ich jetzt (ich warne vor) politisch unkorrekt formulieren: Warum sind Frauen so blöde, sich so behandeln zu lassen?
Man erinnere sich an die Erklärung zu den Wölfen oder zu den tigerstreichelnden Menschen! Der scheue europäische Wolf und der heutige Mensch stammen NICHT von jenen ab! Wenn wir jetzt bedenken, dass Frauen, die für sich selbst denken konnten und ihren gesunden Menschenverstand einsetzten, jahrhundertelang verfolgt und als Hexen verbrannt wurden, kann man den Satz auf uns Frauen umsetzen: Von den intelligenten Frauen stammen wir nicht ab!
Für die wenigen, die es irgendwie geschafft haben, sich mental und vielleicht sogar genetisch weiterzuentwickeln, bliebe also die Frage: Kann man etwas tun, um eine neue Entwicklung anzusteuern?
Dr. Phil Mc Graw hat in seinem Buch "Lebensstrategien" einen sehr wichtigen Satz geäussert: So lange wir uns des Problems nicht bewusst sind, können wir nicht handeln.
Nun, für jene, die bis hierher gelesen haben, ist das Problem und die Erklärung dazu bewusst. Jeder kann sich jetzt die Frage stellen, wo er in seinem Leben hinmöchte, und vielleicht welche Werte er wie und warum weitergeben will.
Jeder hat nun die Möglichkeit, sich von diesen Ängsten, die damals notwendig waren, zu heilen, im Hinblick, unseren Ahnen gegenüber wertschätzend zu bleiben, weil wir ohne deren Angst heute nicht mehr existieren würden; aber ebenso sehr bewusst daran zu arbeiten, dass wir diese Angst genauso ablegen können wie vieles andere, das heute keinen Sinn mehr in unserem Leben macht.