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Dualseelen: die esoterisch-spirituelle Liebe

26. Februar 2015, 12:58pm

Veröffentlicht von Shade

 

 

 

In den letzten Jahren kommt vermehrt das Thema "Dualseele" auf, das in den esoterischen Kreise Furore macht. Man kann das Thema belächeln, den Kopf darüber schütteln oder sich mit Haut und Haaren in eine An-Aus-Beziehung stürzen, die irgendwie nicht zur Ruhe kommen kann. Nachdem ich das Thema jedoch ein wenig verfolgt habe, möchte ich versuchen es aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

 

 

 

Ich habe mich seit jeher gefragt, wie es sein kann, dass Menschen einem von diesen recht aussichts- und auswegslosen Situationen erzählen, bei denen ihre Gefühle ein Auf und Ab mitmachen, das auf Dauer für niemanden zu ertragen sind. Da liest man tagelang, wie dem Herzensmann oder der Herzensdame hinterhergeschmachtet wird, er/sie meldet sich nicht, man ist fast am aufgeben und dann kommt wieder ein Fünkchen Hoffnung und die Gefühle erleben ein Hoch, das die schönsten Sonnentage vor Neid erblassen lassen. Hinzu kommt, dass der 'Andere' oftmals in einer Beziehung ist, und man zu 99% seine Seite der Geschichte nicht kennenlernt. Für mich ist es wichtig, dabei die zwei Punkte nicht zu vergessen, dass erstens die Landkarte nicht das Gebiet ist und zweitens die Landkarte des einen nicht die Landkarte des anderen ist. Ob also der "Andere" um die Idee einer Dualseelenbegegnung weiss, daran glaubt oder überhaupt etwas 'Besonderes' erlebt, bleibt ungewiss. Einzig und allein die Erfahrung und Definiton der Empfindungen der Einen Person, bleibt... und zwar ALLEIN.

 

 

 

Auf psychologischer Basis kennt man diese Double-Bind-Beziehung nur allzugut. Wer sich damit befassen möchte, wird unter anderem in dem Buch "Jein" von Stefanie Stahl einiges an Erklärungen dazu finden, die durchaus auf das Thema "Dualseele" passen.

 

 

 

Ich möchte allerdings dieses Mal das Thema aus der Sicht des Gesamtbildes betrachten, also aus einem spirituellen Blickwinkel. Um dies zu erklären, hilft es vielleicht, wenn ich erst einmal etwas aushole.

 

 

 

Persönlich bin ich zum Schluss gekommen, dass unsere Seele weit mehr ist als das, was wir hier auf irdisch-menschlicher Basis an Erfahrungen sammeln. Dabei hat sich für mich die Theorie entwickelt, dass wir vielleicht nicht nur re-inkarnieren, also in einer Zeitlinie wiedergeboren werden, sondern dass unsere Seele mehrere Anteile ihrer Selbst gleichzeitig inkarnieren kann. Diese sind nie von dieser Gesamtseele getrennt sondern könnten als einzelne Fäden verstanden werden, die als Psyche unsere Körper "beseelen". Da es die Überlegung gibt dass das All sich selbst erfahren will, wäre dies - nach der universellen Gesetzmässigkeit der Entsprechung - auch auf die Seele übertragbar. Auf diese Weise wäre es also auch nur verständlich, wenn die Seele sich selbst hin und wieder antreffen würde.

 

 

 

Nun stellte sich mir aber erst einmal die Frage, warum nicht jeder diese Erfahrung zu machen scheint. Liegt es einfach nur daran, dass einige es nicht erkennen können, dass also einige die oben angesprochenen "Anderen" sind, die einfach nur ihr Leben leben, oder gar - wie etliche Dualseelen-Profis es gerne hinstellen - einfach nur gefühlskalt sind, keine Liebe empfinden können oder sich dagegen verschliessen? Sind einige wirklich so abgestumpft, dass sie nicht bereit für diese Extreme der Gefühle sind?

 

 

 

Was mir bei diesen Beurteilungen immer wieder auffällt ist, dass die meisten, die sie äussern, die Welt und ihre Beziehung zwar als seelisches Ereignis darstellen, es aber aus menschlich-irdischer Sicht definieren. Versucht man, die Entwicklung der Liebe und der Partnerschaft nüchtern zu verstehen um einfach mal ein Bild zu bekommen, das - soweit es einem möglich ist - eine gewisse Objektivität in den Ablauf, in die Zeitlinie, bringt, reicht das den Dualseelenverfechtern nicht aus, sie mögen es nicht; ohne sich darum zu kümmern, dass es aus spiritueller Sicht doch immer so erklärt wird, dass man sich genau das näher betrachten sollte, wogegen man sich wehrt, weil man genau an diesen Widrigkeiten wachsen kann. Ich könnte hierzu auch das Thema "Monogamie" und "romantische Liebe" hinzuziehen, doch ist das nur ein kleiner Ansatz, den hier ich hier erst einmal zur Seite stellen muss, um nicht vom Thema abzukommen.

 

 

 

Hier geht es also um diese absolute und höchste Erfahrung, die man scheinbar machen kann, jene der Dualseelenbegegnung. Und, um zu den Fragen zurückzukommen:

 

Warum vermehren sich diese Begegnungen in letzter Zeit?

 

Warum macht nicht jeder sie?

 

 

 

Bei der Überlegung zu diesen Fragen hat sich ein anderer Aspekt hinzugesellt, der einem vielleicht nur dann auffällt, wenn man sich die Zeit und die "Distanz" erlaubt, nicht mittendrin zu stehen sondern eben dieses Gesamtbild der spirituellen Entwicklung zu betrachten.

 

 

 

Sehr viele Menschen, die sich als spirituell wähnen, zeigen immer wieder darauf hin, wie kalt unsere Gesellschaft geworden ist, dass niemand auf den anderen zugeht, ja, der Egoismus wird fast wie eine Plage angesehen, das Wort und sein Sinn aus dem Konzept gerissen.

 

Selbstlos muss man sein, nur dann ist man auf dem Weg des Erwachens, das Ego muss bekämpft werden, jede Art von Selbstliebe wird argwöhnisch beäugt, weil vielen die Idee, dass man sowohl sich selbst als auch andere lieben kann, scheinbar ein Ding der Unmöglichkeit zu sein scheint. Und es scheint, gleichsam dieser Überlegung, immer besser zu sein, jemand anderes zu lieben als sich selbst. Dass sich daraus auch automatisch das Bedürfnis oder gar die Sucht entwickelt, dass nur jemand anderes uns lieben kann und muss und Glück auch nur von aussen kommt und dort unbedingt Bestand haben muss, weil sonst die Sicherheit, die wir glauben, an einer äusseren Beständigkeit festmachen zu müssen, nicht gewährt ist, wollen die wenigsten wahrhaben. Die Nachricht etlicher Dualseelenfans ist klar: Du kannst ja niemanden lieben!

 

 

 

Mal abgesehen davon, dass ich persönlich "Liebe" - ein Wort, das im etymologischen Zusammenhang mit "Leben" steht - nicht an einer Person oder einer Sache festmache, sondern einfach als Gefühl wahrnehme, bleibt doch der Punkt, wohin es führen wird, wenn man sich selbst die eigene Liebe verleugnet und verwehrt.

 

 

 

Persönlich bin ich der Meinung, dass sich die logische Konsequenz mit Jeff Goldblum aka Dr. Ian Malcoms Worten aus Jurassic Park zusammenfassen lässt: Das Leben findet immer einen Weg.

 

 

 

Wenn mensch sich also weigert, sich selbst lieben zu lernen, erschafft die Seele einen weiteren Strang, um sich erneut gleichzeitig zu inkarnieren und sich somit selbst zu begegnen und sich selbst lieben zu lernen. Mensch selbst, der nur aus irdisch-menschlicher Ebene wahrnimmt, bekommt dies nicht mit.

 

 

 

Nun gibt es einige Argumente, die zwar erklären sollen, dass ein Dualseelen-Erfahrender das sehr wohl weiss, doch diese Argumente möchte ich kurz aufgreifen, um zu zeigen, dass es die Dualseele wohl noch nicht in seinem innersten Kern verstanden hat.

 

 

 

 

 

Argument 1:

 

Seelen Verbindungen beruhen auf Resonanz. Im Falle der Dualseele ist die Frequenz nicht ähnlich, sondern exakt GLEICH. Bei exaktem Einklang ist die Resonanz am Maximum

 

 

 

Wenn wir davon ausgehen können, dass jede "Gesamtseele" einzigartig ist, kann die sogenannte Dualseele nur denselben Ursprung haben, nämlich unsere Seele. Dabei nehmen wir nur auf irdisch-menschlicher Basis diese Seele als getrennt wahr, die Seele selbst sieht das nicht.

 

 

 

Ich greife dazu gerne zum Bildnis des Klavierspielers. Jeder Finger ist für ein paar Tasten, ein paar Noten zuständig, doch nur der Klavierspieler erkennt die gesamte Melodie. Und auch die Finger sind mit der Hand verbunden und sind Teil des Klavierspielers. Nichts ist getrennt.

 

 

 

 

 

Argument 2:

 

die Dualseelen sind im selben Bewußtseinszustand, denn sie sind Eins, bloß getrennt voneinander "unterwegs".

 

 

 

Dieser Satz könnte stimmig klingen, wurde aber als Schlussfolgerung zu folgendem Argument eingesetzt:

 

 

 

Argument 3:

 

ich bin der Überzeugung, daß man mit einem Seelenpartner eine glückliche Beziehung führen KANN, wenn denn beide auf einem gleichen Bewußtseinszustand zusammen finden.

 

 

 

Genau hier zeigt sich die scheinbare Zerrissenheit jener Personen, die die Idee einer Dualseele zwar scheinbar logisch und schon fast rational aus Seelenebene erklären, sie aber nicht wirklich auf jener Ebene erfahren.

 

 

 

Denn, wenn die Dualseelen immer im demselben Bewusstseinszustand sind, weil sie Eins sind, können sich beide Dualseelen logischweise IMMER NUR auf demselben Bewusstseinszustand begegnen.

 

 

 

Weiterhin:

 

 

 

Argument 4:

 

Andere Seelenpartner begegnen sich häufig auf unterschiedlichen Ebenen

 

 

 

Wenn wir davon ausgehen, dass jeder Seelenpartner derselben Seele angehört, können sie sich nicht auf anderen Ebenen begegnen. Dazu sind andere Seelen notwendig, sonst würden wir uns effektiv selbst genügen. Denn wir können - gemäss der Gesetzmässikeit der Entsprechung - davon ausgehen, dass der "Fingerabdruck" einer Seele auf jeder Ebene einzigartig bleibt.

 

 

 

 

 

Argument 5:

 

Dualseelen harmonieren nicht miteinander, sondern ergänzen sich, da sie total verschieden sind.

 

 

 

Hier ist klar zu erkennen, dass dies dem ersten Argument komplett widerspricht.

 

Ich möchte hinzufügen, dass die beiden Argumente von zwei Personen stammen, doch damit wird auch klar, dass jeder sich das Thema "Dualseele" so zurechtlegt, wie es ihn in seiner Wahrnehmung bestätigt.

 

Allerdings stammt dieses Argument von derselben Person wie Argument 2.

 

Somit: Wenn es EINS ist, kann es nicht plötzlich total verschieden sein.

 

 

 

Doch genau dieses Hin und Her in der Argumentation zeigt sich auch im Leben dieser Menschen. Sie sind in sich gespalten; sie leben den innereren Konflikt, die eigene Liebe nicht in sich selbst erkennen zu dürfen sondern nur über jemand anderen, nach aussen hin aus. Und jeder der in sich selbst seinen Frieden gefunden hat, kann das Ganze natürlich nicht verstehen, ist noch nicht soweit, erkennt die wahre Liebe nicht oder hat noch nie eine Dualseelenerfahrung gemacht und hat deswegen kein Recht, überhaupt mitzureden. Doch zu diesen "Ent-Dualisierten" möchte ich mich zum Schluss noch einmal äussern.

 

 

 

Darüber hinaus ist das Argument in sich unlogisch. Dinge können nur deswegen harmonieren, WEIL sie sich ergänzen, weil sie verschieden sind.

 

 

 

Hierzu möchte ich noch einmal zum Klavierspieler zurückkommen. Wenn jeder Finger dieselben Tasten betätigen würden, käme nichts klangvolles und harmonisches heraus.

 

 

 

Somit komme ich zu folgendem Schluss:

 

 

 

Entweder sind die Dualseelen gleich und dann können sie sich nicht nur nicht ergänzen, sondern benötigen diese Ergänzung nicht, weil sie sich in sich selbst als gemeinsame Seele erkennen und somit sich der Konflikt automatisch auflöst.

 

In diesem Fall lebt sie dann im Ein-Klang, was vollkommen ok ist, wollte die Seele doch erfahren, wie sich Selbstliebe anfühlt. Ob es allerdings auf Dauer ein interessantes Miteinander sein wird, wage ich persönlich zu bezweifeln, benötigen wir doch für wirklichen Austausch eben wirklich andere, die anders klingen, und uns nicht nur - um zum Klavierspieler zurückzukehren - den Klang des Klaviers bestätigen sondern andere Musikinstrumente, so dass wir das gesamte Konzert erleben können.

 

 

 

Oder aber ich betrachte ein weiteres Argument:

 

 

 

Argument 6:

 

sonst wär zu viel Harmonie im Spiel und dadurch entwickelt man sich ja bekanntlich nicht weiter

 

 

 

Und stünde so vor einem weiteren Dilemma:

 

  • Entweder, dass Dualseelen sinnlos sind, da sie ja EINS sind, sich also nicht ergänzen können

  • Oder sie durch das eins sein harmonieren und uns nicht weiterbringen, somit unsinnig sin

  • Oder sie - wie argumentiert - sich ergänzen und deswegen Disharmonie erzeugen und somit Argument 3 sich selbst aufhebt.

 

Oh hoppla, das ist dann wohl ein Tetralemma.

 

 

 

 

 

Und was ist denn nun mit den Non-Dualistischen oder den Ent-Dualisierten?

 

 

 

Nun, auch hier nur meine ureigene Meinung.

 

Ich denke, diese haben ausreichend Verständnis für ein gesundes Selbstwertgefühl über sich selbst, über einen Egoismus, wie er zu verstehen ist, nämlich, sich selbst zu erkennen, sich abgrenzen zu können um sich so authentisch mit anderen austauschen zu können. Sie haben ihre eigene Selbstliebe entwickelt und somit braucht sich ihre Gesamtseele nicht zweizuteilen, und der Konflikt entsteht erst gar nicht, der solche kontroversen Argumente erblühen lässt. Diese Menschen wissen um den Wert ihrer Selbst können deswegen den Wert eines anderen auch erkennen und respektieren. Sie haben weder Scham noch Scheu zuzugeben, dass ein Austausch mit anderen auch immer ein "Was ist für mich drin" beinhaltet, ohne dass andere dabei aussen vor gelassen werde.

 

 

 

In meinen Augen haben sie begriffen, was eine Win-Win-Situation ist, und können diese ohne Hintergedanken in voller Liebe ausleben.

 

 

 

Und somit ist für jene die Idee einer Dualseele nicht notwendig, weil sie verstehen, dass man liebt... nicht diesen, nicht jenen, sondern einfach liebt!

 

 

 

 

 

 

 

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