Anders als Gruppen-denken?
In letzter Zeit bin ich stark mit den verschiedensten Gruppen in Verbindung gekommen, so dass mir, in Bezug auf das Prinzip "Wie Innen so Aussen" etwas aufgefallen ist, das ich gerne mit euch teilen möchte.
Ich selbst bin ja langsam 'TA-geschädigt' (TA = Transaktionsanalyse) und bin der Meinung, dass wir in uns verschiedene Persönlichkeitsanteile tragen, die wegen ihrer verschiedenen Werte hin und wieder bis desöfteren in Konflikt geraten. Für diejenigen, denen die Transaktionsanalyse vielleicht unbekannt ist: Wenn man von Persönlichkeitsanteilen spricht, bedeutet dies nicht, dass jeder eine gespaltene Persönlichkeit ist, sondern es ist ein Bildnis für die verschiedensten Aspekte, die wir in unserem Leben ausleben oder verdrängen.
Doch zurück zum Beginn des Themas. Was mir bei vielen dieser Gruppen auffällt ist, dass etliche, die in jenen Gruppen sind, daran festhalten wie der sprichwörtlich Ertrinkende an der Giftschlange. Dabei wird sich zwar auf der einen Seite beschwert, dass andere die Gruppe nicht akzeptieren (zB "Heiden" und "Hexen") doch anstatt selbst erste Schritte in Richtung Aufklärung, gemeinsame Kommunikation und gegenseitiges Verständnis zu versuchen, wird nun mit dem Finger auf die "Andersdenkenden" gezeigt und Worte wie "Ignoranten", "Unwissende", "Angsthasen" und ähnliches kommen zutage. Deutet man jetzt als "Mitglied" daraufhin, dass sich diese Verurteilungen in keinster Weise von jenen unterscheiden, über die man sich gerade beschwert hat, ist gleich klar: Wenn du nicht für uns bist, dann bist du gegen uns!
Anfangs haben mich diese sektäre Reaktionen ziemlich gewundert... und noch mehr, dass verständnisvolles Denken sehr rar (aber glücklicherweise doch existent) auf diesen Gebieten ist. Neuerdings erkenne ich die Parallelen zwischen diesen äusseren und den inneren Kämpfen.
Wer im inneren Zwist zwischen den verschiedenen Werten steckt, hat die Gewohnheit, diesen nach aussen zu projizieren. Die Verständnislosigkeit und scheinbare Machtlosigkeit dem inneren Kampf gegenüber muss sich zwangsläufig ins Äussere übertragen. Dies bedeutet, dass jener Mensch in seinem Gruppendenken das Zugehörigkeitsgefühl seines inneren angepassten Kindes nicht aufs Spiel setzen wird, um über seine äusseren Grenzen hinwegzuschauen.
Sein innerer kritischer Eltern-Anteil spiegelt sich in Gruppendenken wider, welcher kein anderes Denken duldet, und gleichzeitig erwartet das innere Rebellenkind trotzartig, dass man gefälligst sein derbes Aufmüpfen nickend und wortlos hinnimmt.
Da über Eric Berne's Spiele der Erwachsenen der Ausdruck dieser Konflikte dadurch ziemlich klar wird, dass viele ihren Wert damit abwägen, dass andere 'wertloser' sind, sind hier die Parallelen unverkennbar: Die anderen sind unwissend und ängstlich und ich sichere mich durch die Anpassung an eine äussere Gruppe ab, weil ich zur Zeit in mir selbst diese Sicherheit nicht erschaffen kann.
Glücklicherweise darf ich jedoch auch Menschen erleben, welche diesen Zwist in ihrem Inneren weitgehendst bis ganz gelöst haben. Für sie steht erst einmal "leben und leben lassen" an erster Stelle und die Annäherung zu jenen Menschen, die nicht dieselbe Sichtweise haben, passiert sanft und respektvoll. Ausserdem existiert hier kein Verlangen, andere in ihrem Denken schlecht zu machen und sich von ihnen wegen ihres scheinbaren anderen Denken abzugrenzen oder gar ein sektäres Benehmen an den Tag zu legen.
Interessanterweise darf ich besonders auf den Glaubensgebieten dann auch immer wieder feststellen, dass sehr viele hexide und heidniche Glaubensrichtungen sehr viele Schutzwünsche an ihre Götter haben, und gleichzeitig von Andersdenkenden erwarten, dass diese einen Schritt auf sie zu machen.
Vielleicht sind diese also gar nicht so anders als die Andersdenken- und glaubenden selbst ;)
Dabei wird jedoch logischerweise komplett negiert, dass es sich dabei nur um die Projektionsfläche dessen handelt, was der erste Schritt zur Lösung des inneren Konfliktes ist: Zu begreifen, dass auch diese Inneren Anteile alle dasselbe Ziel haben, nämlich miteinander in gesundem Austausch zu stehen, so dass man sich erst einmal alleine sicher und wohl genug fühlt, um aus der Konfortzone austreten zu können und somit in den wertschätzenden Umgang mit Umwelt und Mitmenschen treten zu können... authentisch und selbst-sicher.
Ich nehme somit auch an, dass dieser Aspekt des "Nicht-Wahrhaben-Wollens" wohl die erste Stufe auf dem Weg der Akzeptanz nach Elisabeth Kübler-Ross ist... und warte nun gespannt auf die Version des Verhandelns, das sich wohl irgendwann zeigen wird ;)