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Die Tiefe des Teufels

14. Januar 2014, 14:41pm

Veröffentlicht von Shade

Die Karte des Teufels im Tarot scheint immer noch ein zweischneidiges Schwert zu sein, ein Bild, das man sich nur sehr ungern vor Augen führt, und bei dem es vielen scheinbar daran fehlt, den Mut zu haben, ihre Aspekte neutral zu bewerten.

 

Auf einem Forum wurde die Liste der Worte, die vielen dabei einfallen, immer länger und es wird sehr deutlich, dass nur wenige es wagen, ein gutes Haar an dem 'armen Teufel' zu lassen...

 

Worte wie "Exzess", "Selbstzerstörung", "Ekel", "Erpressbarkeit", "Sexismus", "Besessenheit" und weitere unschöne Verurteilungen werden dort aufgelistet, und nun mag der eine oder andere mir erklären wollen, dass es sich dabei ja um die Liste der Schattenseite der Karte handelt. Das ist allerdings völliger Unsinn! Denn die normale Seite beginnt in ihrer Aufzählung gerade mal mit "Abhängigkeit", "Versuchung", bis weiter auf "Masslosigkeit" und "Gier", positive Bewertungen sind Mangelware und werden kaum in Betracht gezogen.

 

Mich amüsiert persönlich dabei das Wort "Egoismus" am meisten, weil dies sehr stark negativ bewertet wird, im psychologischen allerdings sehr positiv betrachtet wird. Es ist jene Fähigkeit, die es uns ermöglicht, für uns selbst einzustehen und uns nicht vom Wunschdenken anderer abhängig zu machen... was ja mit dem Wort 'Abhängigkeit' dem Grossteil der Beurteilungen der Teufelskarte gegenüber widerspricht.

 

Was hat es also mit dem Teufel wirklich auf sich? Wie kann man ihn heute betrachten, so dass er uns nicht nur neutral erscheint sondern uns unsere eigenen unerkannten Fähigkeiten preisgibt?

 

In der archetypalen Welt von C. G. Jung ist sehr klar herausgearbeitet worden, dass es sich beim Teufel um unseren Schatten handelt. Es handelt sich dabei also keineswegs um Aspekte, die wirklich an sich negativ sind, sondern die WIR negativ bewerten, weswegen wir sie in uns in die Dunkelheit unseres Unterbewusstseins verdammen, sie negieren, uns vor ihnen ekeln, und sie - als Projektion auf andere Menschen - bei anderen verurteilen und bekämpfen.

 

Dabei ist es erschreckend, dass kaum jemand sich die Zeit nimmt, zu hinterfragen, warum er andere Menschen verurteilt, in denen er diese Charaktereigenschaften erkennt (ob die Person sie wirklich besitzt, steht auf einem anderen Blatt), warum er sich selbst dagegen wehrt, diesen scheinbar so negativ behafteten Worten auf den Grund zu gehen.

Wer mag sich also seinem inneren Teufel stellen, wer mag hinabsteigen, in seine eigene Tiefe um das zu finden, was Steve Wolf und Conny Zweig in ihrem Buch "Romancing the Shadow" als "Hidden Gold" also "verstecktes Gold" benennen.

 

Ich stelle persönlich immer wieder fest, wie diese Karte (und somit die Person, die damit konfrontiert wird) mit Bewertungen an einer Situation festgenagelt wird, nur kaum jemand die wirklich wichtige Frage stellt, die die Tiefe dieser Karte erst wirklich zeigen kann: WARUM?

 

Warum bewerten wir diese Dinge so negativ? Warum tun wir uns diese Dinge an? Warum haben ir solche Glaubenssätze, die uns unter neutralen Aspekten überhaupt leiden lassen? Warum bestrafen wir uns für Charaktereigenschaften, von denen wir behaupten, dass sie Schwächen sind? Warum verbieten wir uns, Anteile unserer Selbst zu leben, die alle unter demselben Motto funktionieren: Jede Eigenschaft, jedes Benehmen hat eine positive Absicht sich selbst gegenüber als Grund. Solange dieser einfach ignoriert wird, wird man den negativen Auswirkungen nicht auf eben jenen (Grund) gehen können. Man wird sich jedesmal über sich selbst ärgern und jede hintergründige Emotion genervt beiseite schieben.

 

Dabei zeigen doch besonders "neuere" Decks sehr klar, dass mehr dahintersteckt als einfach nur etwas Schlechtes!

 

Das Druid-Craft-Tarot nennt die Karte Cernunnos. Er ist die Natur schlechthin, wertefrei an sich, was immer man ihm unterstellt, stammt aus der Moralvorstellungen alter Zeit, wurde er doch ... nun ja... verteufelt.

 

Das Traumerbe Tarot von Marchetti zeigt, wie der Narr, um dessen Reise es ja geht, sich wehrt, seinen eigenen Teufel zu betrachten. Jener steht hinter ihm, geduldig seine Zeit abwartend, wobei Zeit keine Rolle mehr spielt (die Sanduhr in seiner Hand ist gekippt, sie läuft nicht mehr). Dabei hält er in seiner anderen Hand die 4 Elemente, die das Tarot immer begleiten, jene 4 Elemente, die den Menschen in seinem Leben ausmachen. Sie können immer positiv eingesetzt werden, wenn man sich ihrer in ihrer Neutralität annimmt. Dies erinnert mich stark an einen Satz von Sky Walkin Stik Man Alone betreffend Maschinen: Wenn du Angst vor einer Maschine hast, wirst du dich damit verletzen, wenn du sie respektierst, wirst du damit arbeiten können. Die Maschine an sich bleibt eine Maschine, es ist einfach nur unsere Einstellung dazu, die sie gefährlich erscheinen lässt.

 

So ist es auch mit der Karte des Teufels. Sie ist nicht einfach als Negativ abzuschieben, sie ist die Einladung, tiefer zu schauen, sich jenen Ängsten zu stellen, die uns begleiten - auch wenn wir sie noch so zu verdrängen versuchen - um ihren Grund und somit ihre positive Absicht zu erkennen, und diesen positiven Aspekt wieder leben zu können, ohne uns selbst zu beschuldigen und uns deswegen zu bestrafen.

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