Bin ich ok (5)
In dem vorherigen Text habe ich die Transaktionsanalyse (Eric Berne) angesprochen, weil diese sehr gut erklärt, warum wir uns so schwer daran tun, bei uns selbst zu bleiben, wenn es um den Kontakt mit und zu anderen Menschen geht.
Es handelt sich hierbei um die Erklärungen der Ego-States (Ich-Zustände), die jeder von uns in sich trägt und mehr oder weniger versucht im Ausgleich zu halten.
Bei den Ich-Zuständen handelt es sich an erster Stelle um folgende
ELTERN-ICH
ERWACHSENEN-ICH
KIND-ICH
bei denen Eltern-ich und Kind-ich nochmals unterteilt sind
So kann das ELTERN-ICH fürsorglich oder kritisch hervortreten.
Das KIND-ICH zeigt sich im Angepasstsein, in der Rebellion und in der Freiheit.
Während also das Eltern-Ich für die Entscheidungen eintritt ist das Kind-Ich jener Teil, der emotional und gefühlsbedingt im Leben handelt.
Das Erwachsenen-Ich ist dazu da, die anderen Ichs im Gleichgewicht zu halten und die Gegebenheiten faktisch zu betrachten.
Sind die drei Ichs ausgeglichen, zeigen sich die positven Aspekte der verschiedenen Ichs, ist dem nicht so, können Eltern- oder Kind-ich sich in ihrer negativen Weise zeigen.
Hierzu erst einmal ein Link, der die Transaktionsanalyse kurz und prägnant zusammenfasst:
http://www.leadion.de/artikel.php?artikel=0094
Wie sich über unsere Kindheit hinweg die verschiedenen Ichs entwickeln, versuche ich hier in verschiedenen Etappen zu beschreiben, dabei kommt es auch zu einer Formulierung, die ich in der Überschrift aufgegriffen habe: Bin ich ok?
Wenn wir Kleinkinder sind, fehlen uns die notwendigen Erfahrungen, um Entscheidungen im Leben zu treffen. Wir richten uns nach unseren Eltern aus, und erleben das Leben an sich auf sinnlicher und emotionaler Ebene. In einer gesunden Umgebung entwickelt sich hier das Freie Kind-Ich, das dennoch mit der Formel "Ich bin nicht ok, du bist ok" lebt. Es ist zwar selbst nicht ok, aber die OK-Leute (Eltern) achten darauf, dass es ihm gut geht.
Nun entwickelt es sein eigenes, individuelles, Ich und stellt fest, dass es sich anpassen muss, um weiterhin akzeptiert zu werden. Es kommt zum Angepassten Kind-Ich, das auf andere schaut, um zu wissen, ob das was es tut, in Ordnung ist, weil es dies sebst noch nicht erkennen kann. Auch hier funktioniert die Idee des "Ich bin nicht ok, du bist ok".
Auch das Rebellen-Kind-Ich, das sich nicht anpassen möchte, kann sich hier entwickeln. Dieses versteht die Welt folgendermassen: Ich bin nicht ok, du bist nicht ok.
Zu etwa gleicher Zeit kommt auch das Eltern-Ich zutage. Abgeschaut von den Eltern entwickelt es ähnliche Werte wie jene und kann ... wenn es ein Zuviel davon gibt... ins Modus "Ich bin ok, du bist nicht ok" fallen.
Durch die eigenen Erfahrungen erscheint auch das Erwachsenen-Ich, das (durch Ausgleich der Ich-Zustände) die Formulierung: Ich bin ok, du bist ok kennenlernt.
Gab es irgendwo Störungen in der Entwicklung, bleibt auch der erwachsene Mensch im angepassen-Kind-Ich, und sucht sich Leute aus, an denen er sich sozusagen auslotet, weil er sich selbst nicht als OK erkennt.
Entweder bleibt er im angepassen Kind-Ich, sucht immer nach aussen, was er glaubt, im inneren nicht zu finden (Den OK-Zustand), oder versucht - mehr oder minder unbewusst - über das Rebellen-Kind-Ich an den anderen zu wachsen, indem er diesen den OK-Zustand nicht mehr zugute schreibt: Ich bin nicht ok, aber du bist es auch nicht.
Erkennt er dies, kann er auch nachträglich ein Erwachsenen-Ich entwickeln.
Erkennt er es nicht, wird er über kurz oder lang ins Eltern-Ich umsteigen und jeden kritisch als Nicht-OK abstempeln, als einziger darüber urteilen dürfend, weil er sich als OK empfindet.
Nur wenn wir bei uns sind, und die Dinge faktisch von uns selbst aus betrachten, können wir ein Erwachsenen-Ich entwickeln, das es ebenso sehr zulässt, selbst OK zu sein, wie die Idee, dass andere (auch wenn sie anders denken und andere Werte und Glaubenssätze besitzen) auch OK sein können.
Dies ist deswegen möglich, weil das Erwachsenen-Ich der einzige Zustand ist, indem wir uns nicht an anderen ausloten müssen.
Die Bewertung eines grossen Teil der Gesellschaft und auch einiger scheinbar spirituellen Ausrichtungen, dass das Ego also zu bekämpfen sei, züchtet leider Menschen heran, die in dauerndem Konflikt zu sich selbst stehen.
Die verschiedenen Ich-Zustände kämpfen um die Machtposition:
Wer gerade emotional eine Situation betrachtet, wird über das eigene Eltern-Ich das innere Kind-Ich ermahnen, zu flennen aufzuhören.
Das angepasste-Kind-Ich, das sich gerne anlehnen möchte und (von aussen) geliebt werden möchte gerät mit dem Rebellen-Kind in Konflikt, dass seinen Kram gerne alleine machen will, weil die anderen doch nichts taugen.
Und all diese Inneren Konflikte werden nach aussen projiziert um so als sogenannte "Probleme" erkannt zu werden. Doch in Wahrheit sind sie nur das Symptom dessen, was in uns abläuft.